Ja, ich weiß... Ich bin ganz schön faul. In der Zeit vom letzten Eintrag bis heute ist aber auch eigentlich nicht viel spektakuläres passiert. Ich hab meine Final Exams geschrieben und abgegeben und nun bin ich mit der Uni für dieses Semester durch. Viel Zeit zum Verschnaufen wird aber nicht bleiben, denn am 3. Januar gehts hier schon wieder los. Aber gut, jetzt heißt es die Freizeit genießen und viel unternehmen bevor man wieder zum Sklaven der Wissenschaft wird ;o)
Wie der Titel schon sagt, ist es vielleicht mal angebracht, an dieser Stelle ein kleines Resümee zu ziehen und euch dabei gleich einen Einblick in der kanadische Unisystem zu geben. Oder genauer, eine Antwort auf die Frage: "Was zum Teufel macht man eigentlich, wenn man an der Concordia Journalismus studiert?". Zu erst einmal: Das Journalismusprogramm der Concordia ist relativ renomiert. Wenn man sich mal die Lebensläufe der CBC Mitarbeiter ansieht (CBC ist hier der große "öffentlich-rechtliche" Sender, mit einer Radio- und einer Fernsehsparte), dann sind da einige dabei, die ihren Abschluss hier an der Concordia gemacht haben. Man hat also durchaus Zukunftschancen. Das Studium ist generell angelegt für drei Jahre, wobei man sich entscheiden kann, ob man sich auf Print (umfasst auch Online-Journalismus) oder Rundfunk (Radio und Fernsehen) spezialisieren will. Für die Unentschiedenen gibt es auch die Möglichkeit, beides gleichwertig zu studieren. Die vierte Möglichkeit ist dann noch eine Kombination mit Kommunikationswissenschaft. Die Seminare selbst werden von erfahrenen Journalisten gehalten, die einem viel "Insiderwissen" weitergeben können. Oft gibt es auch Gastsprecher aus verschiedenen Medienbereichen, denen man dann auch das eine oder andere Geheimnis entlocken kann. Ja, neben den theoretischen Kursen wie Journalismusgeschichte, Ethik und Gesetzesgrundlagen, Kritische Betrachtungen, etc. gibt es natürlich auch viele praktische Kurse wie zum Beispiel Editingkurse, Schreiben für Print/Rundfunk, Radio- und Fernsehkurse, Online-Journalismus, Schreiben für Magazine, etc. Da das Institut mit der neuesten Technik ausgestattet ist (verschiedene Editinglabs mit ProTools bzw. Final Cut/Avid, vollausgestattete Fernsehstudios mit green Screen und Telepromter, ein üppiges Equipmentdepot - you name it), macht das ganze natürlich umso mehr Spaß. In dem Fernseh-Einführungskurs, den ich in diesem Semester belegt habe, mussten sich nur vier Leute eine Kamera teilen, das ist schon ziemlich gut. Und auch die Studenten sind sehr aktiv. Die Uni hat zwei Studentenzeitschriften (The Link und The Concordian), einen Fernsehsender (CUTV - der kann allerdings nur in der Uni angeschaut werden) und eine Radiostation (CJLO, soll ganz, ganz bald auch über ein normales Radio empfangbar sein - das allerdings wird schon seit vier Jahren versprochen...). Viele Studies arbeiten nebenher noch als Freelancer für eines der kostenlosen Magazine, die hier an jeder Ecke zu haben sind (Hour, Mirror, Ici, Voir). Generell sind sie Kurse ziemlich verschult. Das heißt, man hat viele Assignments die im Laufe des Semesters zu erledigen sind (eigentlich wöchentlich für jeden Kurs). Dazu kommen noch viele Texte, die man lesen sollte, da man mit kleinen Quizzes über deren Inhalt geprüft wird, und das Ergebnis der kleinen Tests geht dann in die Gesamtnote mit ein. Tja, und wenn man dann noch praktische Kurse hat, in denen man wöchentlich einen TV-Beitrag zusammenstellen soll, dann kann das alles schon manchmal ziemlich knapp werden. Es ist aber absolut machbar. Ich finde dieses verschulte System mitlerweile auch gar nicht mehr so schlecht. Ich meine, ich habe viel kontinuierlicher gearbeitet als in Deutschland, wo ich nur mein eines Referat gehalten und meine eine Hausarbeit am Ende des Semesters geschrieben habe. Es hat also auch irgendwie seine Vorteile. Schwierig wirds, wenn man arbeiten muss um sich das Studium zu finanzieren. Dann muss man gut mit Schlafdefizit zurecht kommen und mit einem großen Organisationstalent gesegnet sein. Aber auch das geht, das beweist der überwiegende Teil der Studenten die ich kennengelernt habe.
Gut, soviel zum geschäftlichen Teil. Jetzt finde ich, ist es mal wieder Zeit für eine kleine Fortsetzung der Schneebilder des vorherigen Posts. Wenn ihr nämlich meint, das bisschen Schnee ist doch nicht so schlimm... dann muss ich euch eines besseren belehren. Hier ein paar Fotos von Anfang Dezember, als der erste Schnee fiel:

Sieht alles ganz normal aus? Hm... schauen wir nochmal genauer hin:

Seht ihr den Schneebatzen am Rande des Fußweges? Ja, meine Lieben, das ist Schneebeseitigung auf kanadisch!

Damit die Straßen frei sind, wird der Schnee einfach auf den Fußweg geschoben. Ob die Fußgänger in den oft engen Gässschen dann noch laufen können? Interessiert uns doch nicht.

Glatt ist es auch.
Jaha, so ist das nämlich hier. Und jetzt stellt euch das ganze noch bei aktuellen -17 Grad vor. Ä Traum. Das gute aber ist, das man sich doch irgendwie an die Kälte gewöhnt, und man so auch bei -15 Grad noch draußen seinen Spaß haben kann. Es gibt eben doch kein schlechtes Wetter, ...
In den kommenden Tagen werde ich hier noch einige Ausflüge unternehmen, von denen ich selbstverständlich ausführlichst berichten werde. Bis dahin gibts hier noch eine kleine Impression vom letzten, gestrigen Ausflug.
"Boa, in der Basilique Notre-Dame gibts heute abend so eine Lichtshow, da müssen wir hin!" - so oder so ähnlich machte uns Philip das ganze schmackhaft. Gut, für verbraucherfreundliche 10 Dollar muss da schon was geboten sein, denkt man sich, und entschliesst sich, das "Spectacle son et lumière" mal zu Gemüte zu führen. Dort angekommen erhält man ein formschönes Funkgerät mit schicken Sennheiser-Kopfhörern, wahlweise in Englisch oder Französisch in die Hand gedrückt. Und dann geht es auch schon los. Schnell noch eine bequeme Sitzposition einnehmen, gut. Schon wird es dunkel. An den Seiten und vorne sind riesige Leinwände gespannt, auf die nun projeziert wird. Was da so genau projeziert wird, kann man nicht sagen. Es sieht aus wie die visuellen Störungen nach zu viel Drogenkonsum. Und dann spricht auch noch der Geist des Kirchenarchitekten zu uns - ich bin beeindruckt. Was dann folgt ist eine Geschichtsstunde in Sachen Notre-Dame de Montréal. Mit schlechten Schauspielern, mal mit mehr und mal mit weniger motivierten Bildern und Schemata in einer Brühe aus Licht, schlecht ausgepegeltem Ton und wahnsinnig unvorhersehbaren Effekten mit den Leinwänden. Nun ja, der Spuk dauert ca. 30-45 Minuten, natürlich nicht ohne das Publikum mit einer zeigefingerhaften Mahnung zu einem Leben nach christlichen Werten wieder zu entlassen. Die Basilika selbst ist aber ziemlich schmuck, hier ein Beweis:

Die findet auch das Killersqirrel beeindruckend:

"Geilomat, Alter!"
Okay, ich werde albern. Zeit, aufzuhören. Liebe Grüße an euch alle!