Sonntag, 23. Dezember 2007

Die gesammelten Werke der Romy A.

Nur noch eine kurze Info: zum Weihnachtsfeste habe ich alle Montreal- und Ausflugs-Fotos freigeschalten. Für diejenigen, denen die Fotos auf meinem Blog nicht ausreichen. Viel Spaß beim Anschauen!
Und natürlich:

Was macht Montreal eigentlich mit dem ganzen Schnee, Teil III

Messen! Ja, meine Lieben, sie messen den Schnee. Und dass das nicht so einfach ist, beiweist dieser Artikel aus der heutigen Gazette. Kurzum: es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Schneefallmasse zu bestimmen aber jede ist eben nicht 100%ig genau.
Gut, man kann aber auch einfach den Größenvergleich machen. So geschehen gestern im Selbstversuch. Voilà:


Ich würde sagen, das sind gute 1,62 m Schnee - war doch ganz einfach!

Samstag, 22. Dezember 2007

Was macht Montreal eigentlich mit dem ganzen Schnee, Teil II

So, meine Recherche ging ja weiter, und siehe da-heute in der Montreal Gazette: Mann verkauft Schnee bei Ebay. Letztes Gebot für die zwei Meter hohe Schneebank waren 2,850$, nach 52 Geboten. Und so schaut das gute Stück aus:


Der Schnee muss bis zum 8. Januar abgeholt werden und der Verkäufer übernimmt keine Haftung für den Zustand der Schneebank. Wenigstens soll der Erlös einem wohltätigen Zweck zukommen. Whatever...

Freitag, 21. Dezember 2007

Was macht Montreal eigentlich mit dem ganzen Schnee und "Ein Weihnachtsbaum, ein Weihnachtsbaum!" oder: "Heinz, isch seh den Baum noch falle!"

Ja, meine Lieben die Frage, wohin denn der ganze Schnee verschwindet, wenn der denn nach 3 Tagen endlich auch mal vom Gehsteig geräumt wurde, habe ich mir schon öfter gestellt. Einen entscheidenen Hinweis liefert dieses Bild:


AHA! Die schlauen Kanadier räumen den Schnee, hieven ihn auf formschöne Laster wie diesen hier und - fahren ihn aus der Stadt. Wohin? Ich glaube, da muss ich noch mal recherchieren...

Heute war es dann endlich soweit, ohne mir weiter über den Verbleib des Schnees Gedanken zu machen, gingen wir gesammelt zum Weihnachtsbaum kaufen. Für Cathy, unsere kleine taiwanesische Powerfrau, soll es das erste richtige Weihnachten mit ihrer "chosen family" werden. Und es musste natürlich auch unbedingt eine Tanne her. Also gings ab in die Metro und zum Atwater Market, einem super Platz wo man Delikatessen aller Art kaufen kann, von Fisch über Fleisch, Brot, Gemüse und Obst, Käse und auch Blumen (natürlich nicht zum essen) und eben auch Weihnachtsbäume. Dieser ist es dann geworden:


Ganz schön groß, der Kleine.



Noch ein Familienbild...


... und schwupps, gings auch schon zum "Einpacken".


Und dann war Schleppen angesagt.


Wieder rein in die Metro...


Puh... endlich zu Hause bei Cathy.
Aber Moment, da fehlt ja noch was!


Geeeeenau!


Beim Weihnachtsangebot im Dollarama kann einem schon mal ganz schön schwindelig werden.


Und dann wird man albern...


"Ho Ho Ho!"


Na, dann hoffen wir mal, das Baby's first Christmas ein Erfolg wird!

Samstag, 15. Dezember 2007

Zeit für ein Halbzeit-Resümee

Ja, ich weiß... Ich bin ganz schön faul. In der Zeit vom letzten Eintrag bis heute ist aber auch eigentlich nicht viel spektakuläres passiert. Ich hab meine Final Exams geschrieben und abgegeben und nun bin ich mit der Uni für dieses Semester durch. Viel Zeit zum Verschnaufen wird aber nicht bleiben, denn am 3. Januar gehts hier schon wieder los. Aber gut, jetzt heißt es die Freizeit genießen und viel unternehmen bevor man wieder zum Sklaven der Wissenschaft wird ;o)
Wie der Titel schon sagt, ist es vielleicht mal angebracht, an dieser Stelle ein kleines Resümee zu ziehen und euch dabei gleich einen Einblick in der kanadische Unisystem zu geben. Oder genauer, eine Antwort auf die Frage: "Was zum Teufel macht man eigentlich, wenn man an der Concordia Journalismus studiert?". Zu erst einmal: Das Journalismusprogramm der Concordia ist relativ renomiert. Wenn man sich mal die Lebensläufe der CBC Mitarbeiter ansieht (CBC ist hier der große "öffentlich-rechtliche" Sender, mit einer Radio- und einer Fernsehsparte), dann sind da einige dabei, die ihren Abschluss hier an der Concordia gemacht haben. Man hat also durchaus Zukunftschancen. Das Studium ist generell angelegt für drei Jahre, wobei man sich entscheiden kann, ob man sich auf Print (umfasst auch Online-Journalismus) oder Rundfunk (Radio und Fernsehen) spezialisieren will. Für die Unentschiedenen gibt es auch die Möglichkeit, beides gleichwertig zu studieren. Die vierte Möglichkeit ist dann noch eine Kombination mit Kommunikationswissenschaft. Die Seminare selbst werden von erfahrenen Journalisten gehalten, die einem viel "Insiderwissen" weitergeben können. Oft gibt es auch Gastsprecher aus verschiedenen Medienbereichen, denen man dann auch das eine oder andere Geheimnis entlocken kann. Ja, neben den theoretischen Kursen wie Journalismusgeschichte, Ethik und Gesetzesgrundlagen, Kritische Betrachtungen, etc. gibt es natürlich auch viele praktische Kurse wie zum Beispiel Editingkurse, Schreiben für Print/Rundfunk, Radio- und Fernsehkurse, Online-Journalismus, Schreiben für Magazine, etc. Da das Institut mit der neuesten Technik ausgestattet ist (verschiedene Editinglabs mit ProTools bzw. Final Cut/Avid, vollausgestattete Fernsehstudios mit green Screen und Telepromter, ein üppiges Equipmentdepot - you name it), macht das ganze natürlich umso mehr Spaß. In dem Fernseh-Einführungskurs, den ich in diesem Semester belegt habe, mussten sich nur vier Leute eine Kamera teilen, das ist schon ziemlich gut. Und auch die Studenten sind sehr aktiv. Die Uni hat zwei Studentenzeitschriften (The Link und The Concordian), einen Fernsehsender (CUTV - der kann allerdings nur in der Uni angeschaut werden) und eine Radiostation (CJLO, soll ganz, ganz bald auch über ein normales Radio empfangbar sein - das allerdings wird schon seit vier Jahren versprochen...). Viele Studies arbeiten nebenher noch als Freelancer für eines der kostenlosen Magazine, die hier an jeder Ecke zu haben sind (Hour, Mirror, Ici, Voir). Generell sind sie Kurse ziemlich verschult. Das heißt, man hat viele Assignments die im Laufe des Semesters zu erledigen sind (eigentlich wöchentlich für jeden Kurs). Dazu kommen noch viele Texte, die man lesen sollte, da man mit kleinen Quizzes über deren Inhalt geprüft wird, und das Ergebnis der kleinen Tests geht dann in die Gesamtnote mit ein. Tja, und wenn man dann noch praktische Kurse hat, in denen man wöchentlich einen TV-Beitrag zusammenstellen soll, dann kann das alles schon manchmal ziemlich knapp werden. Es ist aber absolut machbar. Ich finde dieses verschulte System mitlerweile auch gar nicht mehr so schlecht. Ich meine, ich habe viel kontinuierlicher gearbeitet als in Deutschland, wo ich nur mein eines Referat gehalten und meine eine Hausarbeit am Ende des Semesters geschrieben habe. Es hat also auch irgendwie seine Vorteile. Schwierig wirds, wenn man arbeiten muss um sich das Studium zu finanzieren. Dann muss man gut mit Schlafdefizit zurecht kommen und mit einem großen Organisationstalent gesegnet sein. Aber auch das geht, das beweist der überwiegende Teil der Studenten die ich kennengelernt habe.
Gut, soviel zum geschäftlichen Teil. Jetzt finde ich, ist es mal wieder Zeit für eine kleine Fortsetzung der Schneebilder des vorherigen Posts. Wenn ihr nämlich meint, das bisschen Schnee ist doch nicht so schlimm... dann muss ich euch eines besseren belehren. Hier ein paar Fotos von Anfang Dezember, als der erste Schnee fiel:


Sieht alles ganz normal aus? Hm... schauen wir nochmal genauer hin:


Seht ihr den Schneebatzen am Rande des Fußweges? Ja, meine Lieben, das ist Schneebeseitigung auf kanadisch!


Damit die Straßen frei sind, wird der Schnee einfach auf den Fußweg geschoben. Ob die Fußgänger in den oft engen Gässschen dann noch laufen können? Interessiert uns doch nicht.


Glatt ist es auch.


Jaha, so ist das nämlich hier. Und jetzt stellt euch das ganze noch bei aktuellen -17 Grad vor. Ä Traum. Das gute aber ist, das man sich doch irgendwie an die Kälte gewöhnt, und man so auch bei -15 Grad noch draußen seinen Spaß haben kann. Es gibt eben doch kein schlechtes Wetter, ...
In den kommenden Tagen werde ich hier noch einige Ausflüge unternehmen, von denen ich selbstverständlich ausführlichst berichten werde. Bis dahin gibts hier noch eine kleine Impression vom letzten, gestrigen Ausflug.
"Boa, in der Basilique Notre-Dame gibts heute abend so eine Lichtshow, da müssen wir hin!" - so oder so ähnlich machte uns Philip das ganze schmackhaft. Gut, für verbraucherfreundliche 10 Dollar muss da schon was geboten sein, denkt man sich, und entschliesst sich, das "Spectacle son et lumière" mal zu Gemüte zu führen. Dort angekommen erhält man ein formschönes Funkgerät mit schicken Sennheiser-Kopfhörern, wahlweise in Englisch oder Französisch in die Hand gedrückt. Und dann geht es auch schon los. Schnell noch eine bequeme Sitzposition einnehmen, gut. Schon wird es dunkel. An den Seiten und vorne sind riesige Leinwände gespannt, auf die nun projeziert wird. Was da so genau projeziert wird, kann man nicht sagen. Es sieht aus wie die visuellen Störungen nach zu viel Drogenkonsum. Und dann spricht auch noch der Geist des Kirchenarchitekten zu uns - ich bin beeindruckt. Was dann folgt ist eine Geschichtsstunde in Sachen Notre-Dame de Montréal. Mit schlechten Schauspielern, mal mit mehr und mal mit weniger motivierten Bildern und Schemata in einer Brühe aus Licht, schlecht ausgepegeltem Ton und wahnsinnig unvorhersehbaren Effekten mit den Leinwänden. Nun ja, der Spuk dauert ca. 30-45 Minuten, natürlich nicht ohne das Publikum mit einer zeigefingerhaften Mahnung zu einem Leben nach christlichen Werten wieder zu entlassen. Die Basilika selbst ist aber ziemlich schmuck, hier ein Beweis:


Die findet auch das Killersqirrel beeindruckend:

"Geilomat, Alter!"

Okay, ich werde albern. Zeit, aufzuhören. Liebe Grüße an euch alle!

Freitag, 23. November 2007

SCHNEE!!!!






Mein erster Gedanke: Oh mein Gott, ich brauch dringend dicke, wasserfeste Schneeschuhe und eine verdammt gute Winterjacke!
Aktuelle Temperatur: -6°C
brrrrrrr

Dienstag, 13. November 2007

Uiuiuiuiuiuiuiuiuiuiuiuiui....

schon wieder so lange her seit dem letzten Post? I am so sorry. (Warum klingt das jetzt so ironisch, ich wollte, dass es unironisch klingt...) Viel ist in der Zwischenzeit wirklich nicht passiert. Außer, dass ich mir schon langsam Gedanken darüber mache, was ich vor meiner Abreise in Montreal noch unbedingt machen will, und das ist einiges. Gut, man könnte es übersteigerte Torschlusspanik nennen, aber... Ich mach zu viel für die Uni und seh zu wenig von der Stadt. Ich hab schon beschlossen, dass sich das im nächsten Semester ändern wird. Hier eine kleine Auswahl an Dingen, die noch getan werden müssen:

  • eine Fotodoku über mein Leben hier; Freunde und Plätze, die ich mag
  • alle Metrostationen abfahren und Fotos machen
  • endlich mein Französisch verbessern und mit den Uni-Shuttlebusfahrern quatschen können
  • mir den Arsch abshoppen (ich war noch nicht richtig einkaufen hier, aber es gibt so viel tolles Zeug - ach, wenn mein Geldbeutel nur so könnte, wie ich manchmal wöllte...)
  • das Kulturangebot auskosten (Theater, Film, Tanz, Medienkunst, Oper, Kunstausstellungen, Museen, ...)
  • nach Quebec-City und Nova Scotia fahren
  • ein Kind kriegen und einen Baum pflanzen
Okay, der letzte Punkt war nur Spaß. Mhm... sieht gar nicht so viel aus.
Joa, in den letzten Tagen hat sich nun, wie ihr euch schon denken könnt, auch der Sommer endlich (endlich im Sinne von schlussendlich leider, nicht im Sinne von Gott-sei-Dank-endlich) verabschiedet. Der erste Schnee, zumindest wenn man ganz viel Willen zur Übertreibung zeigt, ist auch schon gefallen. Na ja, es waren winzige kleine Flöckchen. Aber so schnell muss der Winter jetzt auch nicht kommen. Temperaturmäßig bewegt es sich hier zwischen 9 bis -4 Grad, mal etwas wärmer, mal etwas kälter aber es lässt sich aushalten. Wobei man hier schon jetzt an manchen Tagen richtig frieren kann, wenn man sich nicht gut anzieht.
Boa, wisst ihr worauf ich richtig Appetit habe? Dominosteine! Laurence schrieb letztens in einer Mail, dass sie die erst gegessen hätte. Scheiße, hätt ich da jetzt Lust drauf. Wisst ihr, man muss die ganz besonders essen. Und zwar sowieso nur die mit Vollmichschokoladenüberzug. Also, zuerst wird das obere Drittel mit Marzipan vorsichtig abgebissen, dann wird der Geleeteil vom Lebkuchenteil getrennt und nacheinander verspeist. Dies mache man nun mit den restlichen 14 Dominosteinen der Packung und viola - Bauchschmerz und Völlegefühl. Aber das iss ja soooooo lecker. Ich muss unbedingt mal schauen, ob ich die hier irgendwo im Supermarkt finde.
So, irgendwie fällt mir gerade nichts Lesenswertes ein (damit sage ich nicht, dass meine Dominoverspeistechnik lesenswert ist...), dass ich hier schreiben könnte, wollte nur mal ein Lebenszeichen von mir geben.
Ganz viele Grüße an euch alle!

Dienstag, 9. Oktober 2007

Kanadische Seltsamkeiten - ein Sammelsurium, 2. korrigierte Auflage ;o) auf vielfachen Hinweis eines anonymen Kommentraschreibers

Konsumgüter
  • kanadischer Kaugummi schmeckt wie kanadische Zahncreme und die ist nicht frisch sondern sehr gewöhnungsbedürftig
  • Joghurts und Käse sind sauteuer und schmecken nach... nichts
  • es gibt überall eklige Sandwiches und Wraps als Mahlzeit "to go"
  • es gibt nur wenige Bäckereien
  • Alkohol darf nicht auf der Straße (sichtbar) getragen werden
  • abgepackte Tempotaschentücher findet man hier so gut wie gar nicht, statt dessen haben die hier so Kosmetiktückerboxen - sehr praktisch zum mitnehmen...
  • knallsüße Iced Latte oder - Capuccini sind hier der absolute Hit
  • für die Einkäufe bekommt man immer 100.000 Plastetüten, die sich dann zu Hause stapeln
  • hier sind Briefmarken schon selbstklebende Sticker (die gibts in Deutschland zwar auch schon, allerdings - meines wissens nach - nicht 6 Stück zum kaufen, sondern nur in solchen kleinen Kartons zu mehreren. Einzelbriefmarken gab es im August immer noch old-school zum abschlecken - die gibts hier nämlich nicht.)
  • Travel Mugs (funky für Thermotassen aus Plaste für den selbstgekochten Kaffee) sieht man hier an jeder Ecke
  • es gibt nur selten den klassischen Deoroller, und wenn dann riecht er furchtbar nach Früchten oder ähnlichem - gängig ist hier ein Deostick, davon sind die Regale voll
  • es gibt keinen Döner Kebap
  • auf dem goldenen MacDonalds "M" ist ein rotes Ahornblatt
  • kanadisches Bier ist teuer und schmeckt nicht, Wein ist sowieso unbezahlbar
  • Brot ist hier immer weich und süßlich
  • viele Medikamente kann man hier einfach in einer Drogerie ohne Rezept kaufen, jede Drogerie hat auch einen Apothekenbereich
  • Kinokarten sind hier unstylische Thermopapierbons
  • Frühstück besteht hier meistens aus fettigen Muffins, wahlweise auch einem geschmacklich, sagen wir mal, interessantem Sandwich/Wrap und einem Kaffee mit Geschmackssirupzugabe
  • um eine handelsübliche Milchpackung öffnen zu können, muss man erstmal einen Lehrgang machen
  • Milch wird hier gerne mit 0,1% Fett gekauft - warum machen Leute das?
Geld
  • das 5-cent Stück ist größer als das 10-cent Stück UND ist silbern wie das 5-cent Stück, was zu endlosen Verwechslungen beim Bezahlen und Wahnsinnig-werden meinerseits führt
  • auf fast alle Preise muss man 2 extra Taxes aufschlagen, angegeben ist der Preis bei fast allen Konsumgütern ohne Tax
  • trotz des relativen Gleichstandes zwischen kanadischen und US Dollarn sind die Preise in kanada immer noch höher
  • an Geldautomaten bekommt man immer 20$-Scheine und kann auch nur einen durch 2-teilbaren Betrag abheben (Susann soll jedoch schon einmal einen 10$ schein abgehoben haben... mir ist das allerdings noch nie passiert)
  • bei allen öffentlichen Vergnügungshäusern (Clubs, Restaurants, Schnellimbisse, ...) in denen man bedient wird, muss hier "getippt" werden, heißt: man muss Trinkgeld geben und zwar mindestens 15% vom Preis, sonst wird man hier böse angeschaut
Wohnung
  • die Fenster werden dank Schiebesystem seitlich geöffnet
  • man öffnet Türen mit einem Schlüssel in dem man nach rechts dreht
  • geht man durch eine Tür hinen, muss man ziehen (pull/tirez), beim rausgehen drücken (push/poussez)
  • Bettwäsche hat hier ein total anderes, größeres Format
  • die Toilettensitze öffentlicher Klos sind hier nicht durchgängig, sondern haben eine Aussparung auf dem vorderen Fünftel
  • Feuermelder montiert man hier mit Vorliebe direkt über den Küchenherd, so dass diese bei einer zu heißen Herdplatte gerne mal losgehen
Uni
  • das Papierformat (entweder kleiner als DIN A4, mit 3 großen seitlichen Lochungen oder wesentlich länger)
  • hier haben die Universitäten eigene Merchandiseshops mit T-Shirt, Travelmugs, Rücksäcken, Schreibblocks und anderen praktischen Gebrauchsgegenständen die dann das Logo der jeweiligen Uni tragen
Verkehr
  • kanadische Autos haben immer Automatik, zum Schalten sind die hier zu faul
  • kanadische Busse kommen gerne auch mal überhaupt nicht
  • beim Bus-/oder Metrofahren mit einem normalen Ticket bekommt man hier einen Papierschnippsel der zum Anschlussfahren mit Metro/Bus befähigt - aber keiner kontrolliert das Datum oder die Haltestelle beim abgeben, man kann also vom Bus in die Metro steigen und sonstwo hin fahren und sich wieder in der Metro beim Herausgehen einen neuen Papierschnippsel holen (will gar nicht wissen, wieviele Dollar Montreal im Jahr dadurch Miese macht)
  • wenn man dem Busfahrer signalisieren will, das man an der nächsten Haltestelle raus möchte, zieht man hier an einer gelben "Wäscheleine", die sich durch den ganzen Bus zieht, zum Türenoffnen muss man entweder auf eine Stufe steigen, die Tür berühren oder an den Türgriffen drehen - ich habs bis heute noch nicht geschnallt, was genau man nun in welchem Bus machen muss...
  • die Ampeln haben keine "der-Fußgänger-geht-noch-bei-rot- lassen-wir-ihn-mal-überleben"-Verzögerung - springt die Fußgängerampel auf rot, haben die Autos sofort grünes Licht
  • nutzt man den Uni-Shuttlebus, stellt man sich in einer Warteschlange entlang des Unigebäudes auf
  • Taxifahrer halten sich nicht an Verkehrsregeln
  • Stoppschilder tragen hier nicht die internationale Aufschrift "Stop" sondern "Arrêt"
Kommunikation
  • alle fragen dich immer "How are you?" zur Begrüßung und erwarten keine Antwort
  • Türsteher sind unfreundlich und mögen keine Turnschuhe
  • jeder, der was auf sich und nichts auf seine Privatsphäre hält, ist bei Facebook
... to be continued

Montag, 8. Oktober 2007

Roadtrip Quebec-New Hampshire-Maine-Quebec

Ja ja, die vier verrückten Deutschen hat mal wieder das Fernweh gepackt und sie haben sich aufgemacht ein bisschen Amerika zu erkunden. Gesagt, getan. Wir haben uns also ein Auto gemietet, zwei Hotels gebucht und noch mal richtig eingekauft. Die Reiseroute stand relativ schnell fest: raus aus Montreal, über die Grenze, ein kleines Stück durch New Hampshire und dann die volle Dröhnung Maine.

Tag 1
Am Freitag gegen 9 Uhr ging es also los in einem knallroten Pontiac mit Automatik (was auch sonst - wir sind schließlich in Nord-Amerika...). Der erste Halt wurde schon nach ca. 2 Stunden Fahrtzeit eingelegt - Raucherstop, Kaffeepause, Pinkelhalt. Danach ging es munter weiter. Wir konnten schon mal einen ersten Vorgeschmack auf das genießen, was sich uns im Verlauf der Fahrt noch viel ausgiebiger bieten sollte: Indian Summer. Das heißt wundervolles Wetter (zumindest überwiegend), viele bunte Blätter, wilde Natur und viele kleine, liebevolle Häuschen am Wegesrand. Zuvor musste aber noch die Grenze passiert werden. Das Lachen verging uns relativ schnell, als Philip mit dem Auto zu weit vorzog und uns ein wütender Grenzbeamter auf die Stopplinie hinter uns verwies. Nach wenigen Minuten durften wir dann wieder vorfahren. Launig-böse fragte uns der Beamte nach dem Zweck unserer Reise und unseren Pässen. Die Bearbeitung kann 1-2 Stunden dauern, wir sollen doch auf dem Parkplatz warten und uns nicht bewegen "Don't move, DON'T move!". Okaaay... wir konnten uns das Lachen nicht verkneifen aber ein bisschen Angst hatten wir doch. Kann ja sein, man wird gleich erschossen oder so. Wie auch immer, es war schließlich internationaler Tag des Lachens und deswegen haben wir uns unsere gute Laune nicht nehmen lassen - na ja, ein wenig angepisst war ich ja schon. Ich bin ja schließlich kein Schwerverbrecher und will auch nicht so behandelt werden. Nach circa 5 Minuten kam der Beamte zurück ans Auto geschlichen "Guhden Tag, Froilein... I need bodies!" Ich dachte mir nur "dead or alive?!" und wir folgten dem älteren Mann in das kleine Kabuff. Drinnen wurde dann der Ton auch freundlicher, man unterhielt sich über Deutschland (der Grenzbeamte hat dort mal gewohnt...), Montreal und andere Sachen. Dann wurden die Reisepässe kopiert, Fingerabdrücke gemacht und Fotos geschossen. Zum Schluss hatte jeder von uns ein kleines grünes Zettelchen mit Perforationslinie im Pass hängen (Visum für 90 Tage) und wir durften nach sagenhaft schnellen 30 Minuten weiterfahren.
Nachdem wir erstmal vor Schreck in die falsche Richtung gefahren sind, ging es dann auf tiefer in die USA hinein. An der Tankstelle (die Kinder der Tankwärterin sind übrigens auch in Deutschland geboren wurden...) in BERLIN (kein Witz...) erzählte man uns dann, das es einen wunderschönen Berg gibt, auf dem man über 3 Staaten blicken kann und den wir uns bei diesem traumhaften Wetter unbedingt anschauen müssen. Wir haben uns bedankt und sind zu besagtem Berg gefahren. Bis zum Kassenhäuschen sind wir gekommen (man konnte mit dem Auto hochfahren, das hätte allerdings 41 $ gekostet), dann sind wir wieder ein Stückchen weg auf den nahegelegenen Schotterparkplatz gefahren und haben eine kleine Rast eingelegt und natürlich Fotos geschossen um euch alle neidisch zu machen - kleiner Scherz... Dann ging es weiter und weiter und immer weiter. Das Tagesziel war Yarmouth, in der Nähe von Portland. Dort hatte ich ja schon eine Jugendherberge gebucht, es wartete also ein Bettchen auf uns. Das dachten wir zumindest bis ca. 21 Uhr, als uns dann auffiehl, dass das Yarmouth, in dem ich gebucht hatte, in Nova Scotia, also Kanada lag. OH. MEIN. GOTT. Bis eben lief doch alles noch wie geschmiert und jetzt? Ich hatte es tatsächlich versaut. Schöne Scheiße. Während ich mich noch in Grund und Boden schämte, versuchte Bohne schon (allerdings vergebens) ihren Laptop hochzufahren, um die Telefonnummer der Jugendherberge rauszubekommen. Wir hielten also kurz an einem Dunkin' Donuts an, stöpselten den Laptop in eine handelsübliche Steckdose und tadaaa... die Nummer konnte rausgeschrieben werden. Nun war es an mir meinen Mist wieder gut zu machen. Zum Glück funktionierte mein Handy in den USA, so konnte ich den sehr netten Herren vom Churchill Mansion anrufen und ihm mein Debakel schildern. Entgegen meiner Befürchtung hat er uns noch mal mit einem blauen Auge davon kommen lassen, und uns die Buchung nicht berechnet. Ich versprach ihm, sollte ich mal in Nova Scotia sein, mit einem Kuchen vorbeizukommen. Puh... das war also noch mal gut gegangen. Philip freute sich schon die ganze Zeit, denn endlich kam seiner Meinung nach mal "Schwung" in den Roadtrip. Eine Unterkunft hatten wir jetzt aber immer noch nicht. Egal, wir entschlossen uns dazu, erstmal nach Portland zu fahren. Dort stießen wir dann auf ein YMCA Haus. Wir gingen rein und fragten nach einem billigen Motel in der Nähe. Die beiden Herren (zumindest einer davon) konnte uns nach kurzem Überlegen auch weiterhelfen. Er schrieb uns eine sehr lustige Wegbeschreibung zu Motel 8 und Motel 6 auf. Dort sind wir dann auch hingekurvt. Motel Super 8 kostete 140 $ pro Nacht und sie hatten nur noch ein Zimmer frei. Wir baten uns Bedenkzeit aus, natürlich nur unter dem strengen Hinweis, dass das Zimmer dann weg sein könnte... und fuhren zum Motel 6, das allerdings schon ausgebucht war, wie einem formschönen DIN A4 Zettel an der Eingangstür zu entnehmen war. Okay, nun aber schnell zum Super 8 und das Zimmer gebucht. Uns allen hing nach dieser Aufregung der Magen schon auf Schnürsenkelhöhe. Wir verzogen uns daher in das gegenüberliegende Diner und aßen stilecht Burger in jeglicher Variation mit Freedom Fries und anderen fritierten Schweinereien. Mit vollem Bauch und geschafft vom Tag ging es dann ins Bettchen - Gute Nacht!

Tag 2
Um 7:45 klingelte mein Handy-Wecker. Von Portland aus sollte es nach Bangor gehen. Diesmal hatte Bohne das Hotel gebucht, die Übernachtung war also schon gesichert. Wir fuhren noch zum Alten Hafen in Portland, bewunderten die Schiffchen und drei Stücke Berliner Mauer, die aus uns unerklärlichen Gründen einfach da standen. Verrückt. Es ging weiter durch verschlafene Dörfchen, mini-Städte und viel Natur mit Straße in der Mitte. An einem See machten wir Halt und Bohne zeigte uns, wie das damals bei Baywatch war. Sie war die einzige, die sich von uns in die doch noch recht warmen Fluten stürzte. Dann ging es weiter nach Belfast, unserem nächsten größeren Stopp. Es war schon schwierig in dem kleinen Käffchen ein - hach, wie witzisch... - Käffchen zu bekommen, aber nach einer Nachfrage haben wir es dann gefunden, das einzige im Ort. Ziemlich süß, sehr hohe Wände, Fabrikhallen-Flair. Angeschlossen war im hinteren Teil ein kleiner Indoor-Markt mit selbstgeernteten Früchten und Gemüse. Tomaten, die noch nach Tomaten rochen. Gurken mit einem wahnsinns Aroma und Äpfel wie gemalt. Ich musste alles in die Hand nehmen und daran riechen... Hammer! Belfast an sich ist ein sehr alternatives, künstlerisches Örtchen mit einem süßen Kino, dass mich ein bisschen ans Lamm erinnert hat... hach... ein wenig Heimweh kam schon auf. Aber, es ging ja weiter: zum Hafen. Dort durften wir dann super-dicke Möven und viele Schiffchen beobachten. Am Bootssteg traf ich einen Mann aus Chicago, der mit erzählte, dass sein Cousin in Deutschland eine Frau geheiratet hat, die deutsche Staatsbürgerschaft bekam, nun dort über ebay alte Amerikanische Autos verscherbelt und ein Mordsgeld damit macht. Nach unserem Picknick mit Sellerie, Mörchen und Hummus ging es dann über Bangor nach Orono, zum Best Western Black Bear Inn, unserem Hotel. An der Rezeption erzählte man uns, das bei der Internetreservierung was schiefgelaufen sei, und man uns nur ein Zimmer mit einem Doppelbett anbieten könnte, der Rest des Hotels sei wegen Thanksgiving und Hockeymannschaftsbelegung ausgebucht. Der volle Betrag wurde vom Internetanbieter schon abgebucht, da das Zimmer jetzt aber weniger kostet, muss man sich selber mit den Trantüten vom Onlineservice rumschlagen. Egal, auf Nachfrage wurden uns noch 2 Klappbetten ins Zimmer gestellt und schon waren wieder alle glücklich. Nachdem der kleine Schock überstanden war, stürmten wir noch die nahegelegene Mini-Mall. Dort entdeckten wir dann auch eine Wäscherei, die kostenlos amerikanische Flaggen reinigt. Kopfschütteln, mehr fiel mir dazu nicht ein... Nachdem Bohne und ich uns dann noch eine riesen Pizza mit Schinken-Käse geteilt hatten, schauten wir im Fernsehen noch einen sehr genialen Bauchredner (Jeff Dunham) an und schliefen dann satt und glücklich ein.

Tag 3
Sonntag stand ganz im Zeichen eines der schönsten Nationalparks Amerikas - dem Acardia National Park. Wir fuhren also dorthin und nachdem wir unsere 20 $ hingelegt hatten, konnten wir mit dem Auto (!) die wunderschöne Natur erkunden. Okay, ich lasse das beschreiben an dieser Stelle, schaut euch lieber die Bilder an. Es entfuhr mir sogar ein ziemlich lautes "Boar, ist Natur geil!" - als Pollenalergiker ist das schon ein Heiratsantrag an Mutter Natur den man nicht mal eben so alle Tage in die Welt hineinruft. Nachdem wir Stunden in Bar Habor und dem Nationalpark zugebracht hatten, wollten wir dann auch noch unbedingt Hummer, der dort an jeder Ecke angepriesen wird, essen. Bohne war die einzige, die den schon probiert hatte. Nach ein paar Preisvergleichen hielten wir dann an einer kleinen Holzhütte, wo man dem frisch gefangenen Hummer noch einen Namen geben konnte und seine letzten Bewegungen begutachtete bevor er ins heiße Wasser geschmissen wurde. Susann wurde an dieser Stelle spontan schlecht. Nachdem unsere (haha) Hummernummer ausgerufen wurde, die 24, konnte man sich nun endlich über den knallroten Kerl hermachen. Bei mir endete das Hummeressen mit einem vorsichtigen Hineinbeißen. Die Konsistenz kann ich einfach nicht abhaben. Das ist genau wie bei Schrimps oder Garnelen - ich kann das einfach nicht kauen oder beißen, da wird mir sofort schlecht. Warscheinlich eine leichte psychische Störung in der oralen Phase, die dafür verantwortlich ist. Bohne und Philip hat es jedenfalls sehr gut geschmeckt, Susann ließ es auch beim einmaligen Kosten. Dann sind wir wieder weitergefahren, Richtung Montreal um schon mal für Montag ein paar Kilometer/Meilen gut zu machen. Als die Dörfchen dann immer kleiner wurden, wollten wir noch mal schnell Tanken (Benzin ist in den USA ja so unverschämt billig...) und uns dann schnellstens ein Motel suchen. Doch just als wir um 21:04 an der Tanke ankamen wurden wir nicht mehr bedient - man hatte seit 4 Minuten geschlossen. Philip und Bohne sind dann zum gegenüberliegenden "Herbert Grand Hotel" gegeangen. Ich dachte schon, die spinnen! Aber sie kamen zurück mit der Nachricht, dass das Zimmer 140 $ pro Nacht kostet und ein Doppelbett sowie zwei Einzelbetten hat. Müde stimmten Susann und ich ein. Und dann bot sich uns ein Anblick den wir ob der Müdigkeit gar nicht so würdigen konnten. Seht selbst. Susann verliebte sich sofort in den Hotelhusky und dem Anblick nach verliebte sich er auch in Susann... Sehr schnuckelig war es jedenfalls da und während die anderen Deutschen noch nach Essen suchten, vergeblich wie uns schon der Hotelinhaber versicherte, schaute ich mir noch eine Folge Americas Next Topmodel an. Nach "The Pinky, the Pinky and the Brain, Brain, Brain, Brain, Brain" ging es dann auch schon wieder ins Bettchen.

Tag 4
Letzter Tag, kanadischer Thanksgiving Day. Früh ging es raus aus den Federn. Nach einem schlechten Kaffee im Hotel ging es dann zur Tanke. Der zweite Versuch war erfolgreich. Dann immer weiter in Richtung nach Hause. Zwischenstopp in einem kleinen Kaff zum Diner-Frühstück bei dem wir unsere letzten amerikanischen Dollar raushauten. Dann weiter zur Grenze, durch die wir fast schon wieder einfach so durchgerauscht wären, da die Grenzhäuschen immer so unscheinbar sind. Ein, für Grenzbeamtenverhältnisse, recht netter Kanadier riss uns nach ausdrücklichem darum-Bitten unsere grünen Zettelchen aus den Pässen und zack, waren wir wieder im sicheren Kanada. Beim nächsten Zwischenstopp im Dunkin' Donuts holte mich dann auch wieder meine Französisch-Schwäche ein, als ich meinen Kakao gerne mit Sahne haben wollte, ihn aber auf Grund schwerwiegender Verständigungsschwierigkeiten ohne solche bekam. Nach ein paar weiteren Minuten waren dann auch schon wieder Hochhäuser und dreispurige Straßen in Sicht und wieder war ich recht froh wieder "zu Hause" zu sein.

P.s.: Schaut immer mal wieder auf Philips Blog, er hat immer kräftig mit der Kamera gefilmt und wird wohl irgendwann auch mal ein kleines Roadtripfilmchen draufstellen.

Lasst es euch gut gehen!

Dienstag, 25. September 2007

Toronto!

Here we go again. Nachdem sich der Besitzer des ungeschützten W-LAN Drahtlosnetzwerkes, das wir bis zu diesem Zeitpunkt immer mitnutzten, dazu entschlossen hatte, seine Konfiguration dergestalt zu ändern, dass für uns ein Einwählen nicht mehr möglich war, mussten wir uns nun eigenes Internet zu einem völlig überteuerten Preis holen. Die Konversation mit den frankophonen Mitarbeitern von Videotron war dann auch dementsprechend lustig und kräftezehrend. Whatsoever, wir haben jetzt endlich wieder Internet und ich stehe somit auch wieder in der "Berichtspflicht".
DAS Highlight des vergangenen Wochenendes war natürlich der von CISA organisierte Toronto-Trip. Fotos findet ihr rechts vom Text. Und Toronto war wirklich auch wie die Fotos: viele Business-Hochhäuser, ein relativ kleines Stadtzentrum im Vergleich zu Montreal, und meinem Empfinden nach auch nicht so heimelig und gemütlich. Ja, ich hatte schon so etwas wie Heimatgefühle, als wir mit dem Bus wieder zurück gefahren sind. Aber fangen wir mal vorne an:

Die Abreise
Am Donnerstag "abend" um 23:50 sollte es los gehen. Wie immer bei relativ großen Gruppen verzögerte sich die Abfahrt. Nachdem nun alles Gepäck verstaut war, jeder seine Nummer, die ihn zum Einsteigen in den Bus berechtigt, vertrauensvoll an einen der beiden CISA-Powerorganisatoren weitergegeben hatte und man endlich auch den Kampf um einen Sitzplatz mit gutem Blick auf die viel zu kleinen DVD-Monitore gewonnen hatte, ging es um 00:25 endlich los. Alle waren eigentlich auch schon ziemlich müde, trotzdem wurde noch ein Film angeschmissen. Nach 2:30 Stunden Fahrt durch Kanadas Niemandsland wurde dann auch der erste, und dringend notwendige, Pinkelstopp eingelegt. Mittlerweile hat sich die Außentemperatur auch schon merklich gesenkt und ein penetrantes Frösteln stellte sich ein. Nach dem unser Busfahrer (der so ziemlichst coolste, den ich je hatte...) endlich auch die (hach Gott, wie witzig... ein Wortwitz...) Klimaanlage ausgeschaltet hatte, konnte man auch endlich in seine Jacken und Schlafsocken gekuschelt schlummern. Richtig schlafen konnte ich nicht. Trotzdem gingen die sechs Stunden (unser Fahrer raste wie eine gesenkte Sau und unterbot damit die angesetzten 7 Stunden Fahrtzeit) im Bus relativ schnell um.

Die Ankunft und das Wunder von Toronto
Gegen 06:30 Uhr waren wir in Toronto. Und --- wow, DAS soll unser Hotel sein? Hehe, JA! Das war unser Hotel: das Delta Chelsea mitten in Downtown Toronto. Der schlimme Part der Anreise sollte eigentlich an dieser Stelle folgen, aber wohl auf Grund chronischer Unterbelegung war es uns möglich direkt nach der Ankunft das Luxushotel belagern zu können. Ursprünglich was es so, dass wir nach unserer Ankunft Freizeit hätten haben sollen (ist das eine korrekte deutsche, grammatische Konstruktion?), und dann erst um 15:30 (das macht ganze 9 Stunden rumlatschen in Toronto!!! Wobei die Geschäfte erst gegen 9 aufmachen...) hätten einchecken können. Wie bereits gesagt, Fortuna war gnädig und ließ uns chronisch übernächtigte, internationale Horde gemütlich in einem Hotelzimmer ein paar Stunden Schlaf nachholen.

Die große Erkundungstour
Also wir wieder aus dem Tiefschlaf erwachten, es war gegen 12 Uhr, zog es mich und meine Zimmergenossen Bohne, Susann und Philip hinaus ins noch unbekannte Toronto. Nach einer planlosen durch-die-Straßen-Schlenderei, dem Stürmen des Bay Kaufhauses, dem demütigen Beäugen des CN-Towers (bis vor kurzer Zeit noch das höchste freistehende Gebäude der Welt, bis Dubai [welche Stadt auch sonst] dem Stolz der Torontoer einen Strich durch die Rechnung machte) und einem leckeren Hotdog haben wir uns der Faulheit ergeben und uns in einen qietschgelben Touribus gesetzt. Es schloss sich eine gelegentlich recht witzige Stadttour an, bei der wir viel von Toronto gesehen und noch mehr über die Stadt, deren ursprünglicher Name York war, erfahren haben. Um uns China Town anzuschauen sind wir dann ausgestiegen und weil uns das alles zu viel war, sind wir am Strand gelandet und haben Leuten beim Kanu fahren zugesehen. Es könnten auch Kajaks gewesen sein... ob meiner fehlenden sportlichen Kompetenz auf diesem Gebiet will ich mich da mal nicht festlegen. Der Tag endete dann mit einem ausgiebigen Hotelpoolbesuch. Eine wahnsinns Aussicht auf die ganze Stadt (der Pool lag im 27. Stock) und ein wohlig warmer Wirlpool erwarteten uns außerdem. Danach fiel ich tot ins Bett, und bin erst wieder am nächsten morgen unsanft vom Handywecker um 7:45 Uhr geweckt wurden. Denn - es ging weiter im Plan.

Die Niagarafälle... ein Alptraum in kommerziell
N.i.a.g.a.r.a.f.ä.l.l.e.... unberührte Natur, wunderschöne Umgebung, Zeit zum Nachdenken und philosophieren. Denkste. Gut, meine Vorstellung von diesem Naturschauspiel mag etwas naiv und romantisch sein, aber was sich da meinen Augen bot war grausam. Ich meine, die Fälle waren ja ganz nett, nur etwas klein für meinen Geschmack. Aber das Touri-Gedöhns drumrum mit Tamtam, Trallalla und Glitzer-Glitzer war echt zu viel. Es war geradezu lächerlich. Naja, ich ergab mich dem Touristendasein und knipste was das Zeug hält. Natürlich haben wir auch eine völlig überteuerte Bootstour direkt an die Fälle gemacht - wenn man schon mal da ist. Mit nassen Schuhen konnten wir dann noch ein bisschen rumlaufen. Wir haben Hamburger bei Wendys gegessen und uns in den Park gelegt. Dann ging es wieder in den Bus zum nächsten Ziel: Niagara-on-the-Lake, ein kleines Kaff circa 30 Minuten von den Fällen entfernt. Dort war Weinprobe angesagt. Also... was die Kanadier hier so alles für Wein halten ist schon ein Ding. Wir probierten (natürlich nach einer ausgiebigen Ausweiskontrolle) einen Weißwein, einen Rotwein und einen der berümt berüchtigten kanadischen Eisweine. Das ganze immer schön im selben Glas, ohne Wasser oder Brot dazwischen. Eine richtige Weinprobe halt... ;o) Die Weine waren wie ich schon sagte "greislig". Es schloss sich eine kleine Führung durch die Weinreben an. Der Winzer hatte wohl nicht viel Bock zu reden und so war es eine recht einsilbige und unspannende Tour. Danach hieß es wieder Schlange stehen für die Mädels denn es gab nur eine einzige Toilette. Die ganz Mutigen unter uns konnten sich auch einen Wein kaufen (Preise ozillierten zwischen 20 und 50 CAD) - ich war aber recht unmutig.
Zurück in Toronto hatten wir dann wieder etwas Freizeit, die ich im Hotelpool und der angeschlossenen Sauna verbrachte. Um 22:30 gings dann ab zum Schwofen in einen Club dessen Name mir jetzt nicht mehr einfallen will. Riesiges Ding mit 3 Floors und einer tollen Dachterasse mit wunderschönen Blick auf die angrenzenden Hochhäuser. Hoch waren die Getränkepreise (Bier für 6 CAD), mäßig war die Musik und strunzedumm waren die Leute da (uns natürlich ausgenommen, nicht jedoch die Türsteher).

Die letzten Stunden in Toronto
Um 9:30 am nächsten Morgen haben wir ausgecheckt und hatten anschließend Freizeit. Wir sind noch mal in Richtung China Town gegangen und danach in den H&M (klar, bloß nichts Unbekanntes bitte). Das gute Ding hatte 3 Stockwerke und war Teil des größsten Einkaufscenters Torontos, des Eaton Centers. Ich habe mir eine klassische Tweedhose gekauft und die Zeit gemütlich bei einem frisch gepressten Orangensaft ausklingen lassen. Bohne entschied sich für einen "Wheatgrass"-Drink. Solltet ihr jemals in Versuchung geraten das zu probieren - tut es nicht. Bohne bereute ihre Wahl bitter - oder in dem Fall knallesüß. Um 15:30 Uhr ging es zurück in den Bus und ab nach "Hause". Mit leerem Portemonnaie aber glücklich und zufrieden schaute ich mir meine geschossenen Fotos an, las noch ein paar Readertexte und war sechs Stunden später endlich wieder in Montreal.

Freitag, 7. September 2007

Jaaaaaaaaaaaaa, ich leb noch...

So, die ersten drei Seminare wären geschafft und es war am Ende alles halb so schlimm. Zwar hatte ich am Mittwoch nach Contemporary News Media einen mittelschweren Anfall von Selbstzweifel und Lebenskrise, aber das hat sich dann auch wieder gegeben. Auf jeden Fall scheinen die Anforderungen hier schon höher zu sein als in Deutschland - zumindest, was kontinuierliches Arbeiten angeht. Nimmt man alle Kurse zusammen, muss man schon einiges Talent haben, damit die einzelnen Abgabedaten der Essays oder praktischen Arbeiten nicht verschwitzt werden. Aber gut, Organisation ist ja sexy und im planen war ich schon immer gut.
Gestern hatte ich dann das erste Mal den Television News Workshop. Ich hab mir dann erstmal eine Sony 170 DV Cam gekrallt und mit nach Hause genommen. Natürlich nur, um zu üben wie man einen Weisabgleich macht, oder die Schärfe einstellt... Sowas wäre in Deutschland unmöglich. Hier rotiert eine Kamera inkl. Stativ in einer Gruppe von vier Leuten (was zwei Teams entspricht) einfach per Absprache innerhalb der Gruppe - ein ganzes Semester lang. Ich war und bin begeistert. Gut, ein solches Verfahren scheint auch das angemessenste zu sein, denn jede Woche müssen wir, mit steigendem Schwierigkeitsgrad natürlich, verschiedene News-Segmente filmen und zur Bewertung abgeben. Das geht dann von einem einfachen Continuity Shot bis hin zur eigenen News Sendung. Das lustige ist, dass sich in meiner Gruppe nur Austauschstudenten befinden. Das ist ganz witzig und man hat gleich ein Gesprächsthema. Und es ist ganz gut, dass ich Videotechnik I gemacht habe - da weiß ich wenigstens schon, wo die einzelnen Knöpfe und Räder sind und stehe nicht wie eine Kuh vorm Uhrwerk.
Joa, dann sind gestern auch endlich noch die restlichen Möbel gekommen. Das heißt ich sitze jetzt lasziv auf einem Stuhl an einem Schreibtisch, lehne mich zurück und sehe einen Esstisch mit weiteren drei Stühlen und nebenher schreibe ich Blog. Meine Wirbelsäule dankt es mir. Im Ernst, Möbel sind wirklich was tolles. Da fühlt man sich gleich noch einmal etwas mehr zu Hause. Ansonsten ist nicht viel Spannendes passiert. Ich werde jetzt gleich noch Wäsche waschen, dann eine Runde schwimmen gehen, meine täglichen News konsumieren und dann heute abend noch zum großen Cisa-Austauschstudenten-Besäufnis mit "freiem Eintritt und fairen Getränkepreisen" watscheln.
Ich hoffe, euch geht es allen gut.

Dienstag, 4. September 2007

Grmpftz

Heute ist es also soweit: die Seminare beginnen. Für mich beginnt der Fall Term eigentlich relativ chillig, denn ich habe Dienstags keine Kurse. Ich werde aber trotzdem zu meinem Campus fahren (mit einem sexy Concordia Bus) und mich mal umsehen und vorstellen. Wenn ich nicht so ein Schisser wäre, würde mir das auch gar nichts aus machen - aber so... Ich tendiere in unbekannte Umgebungen ja gerne mal zum Verstummen. Das wäre hier aber ein schlechter Plan, da ich nur 9 Monate Zeit habe einigermaßen "Anschluss" zu finden. Aber egal. Hier erstmal ein kleiner Rückblick über die vergangenen Tage:
Gestern und am Freitag war hier erstmal großes Tammtamm für alle neuen international students. Am Freitag haben uns die Leute von Cisa (Concordia International Students Association) quer durch die Uni gejagt und uns Aufgaben gestellt, die wir bewältigen mussten. Wir wurden dazu in Gruppen aufgeteilt und unsere Gruppe wurde am Ende Zweiter (aber nur ganz knapp am Sieg vorbeigerauscht...). Ist aber auch egal, denn am Abend wurde dann gesoffen was das kanadische Bier (5,5%
0) hergab. Dabei war ich überrascht, wieviele Austauschstudenten tatsächlich aus Deutschland und Frankreich da sind. Fast an jeder Ecke hörte man deutsche Sprachfetzen, das war schon fast unheimlich. Na ja, und die Deutschen waren auch mal wieder die Letzten, die von der Party verschwunden sind und zwar geradewegs in den McDonalds zum "Sufffressen".
Gestern wurde dann alles etwas ruhiger angegangen, Stadtralley stand auf dem Plan. Wie der Name schon sagt: wieder mehrere Gruppen latschen quer durch Montreal. An verschiedenen Stopps gab es Hinweise für den nächsten Stopp oder Aufgaben zu erfüllen. Das ganze dauerte dann nicht mal 2,5 Stunden, aber alle waren vom Vorabend noch so geschafft, dass jeder Schritt schwer fiel. Zum Glück war unser Gruppenleiter auch eher von der gechillten Sorte, so dass wir im gemütlichen Schlenderschritt und mit einer ausgiebigen Mittagspause (sowie einem ausgelassenen Stopp *räusper*) am Ende wieder Zweiter wurden.
Ja, und so geht das jetzt auch zwei Wochen lang weiter. Keine Stadtralleys, aber unzählige Veranstaltungen (kostenlose Konzerte, Filme, Orientierungsveranstaltungen, ...) und Partys für neue Studenten. Ich bin gespannt, wie das wird. Jetzt muss ich mich aber beeilen, damit ich den Bus noch erwische...

Samstag, 1. September 2007

Bademeister

Nachdem ich gerade 15 Minuten im hauseigenen, beheizten Pool geschwommen bin, möchte ich jetzt mal von den letzten Tagen berichten. Ja, wir haben eine Wohnung und die ist der absolute Hammer. Hochhaus in Downtown Montreal, 11. Stock. Gefliestes Bad, niegelnagelneue Küche mit riesigem Kühlschrank, beleuchtete große Kleiderschränke, Parkett, Klimaanlage, wahnsinns Aussicht, Security 24/7, neue Waschmaschinen und Trockner im obersten Stock, Pool, Sauna, Dachterasse. Scheiße, da macht Wäsche waschen mal Spaß. Bei einer solchen Aussicht macht glaube ich fast alles Spaß. Langsam wächst die Überzeugung, dass ich so geil nie wieder in meinem Leben wohnen werde. Aber egal, ich kann wenigstens sagen: Ich hab mal so gewohnt!
Bitte verzeiht mir meine unglaubliche Arroganz, aber das hier ist so surreal, da kann man nur noch durchdrehen. Nachdem wir bei unserer Wohnungssuche mehr als verzweifelt waren und so manches Loch und manchen menschlichen Abgrund besichtigt hatten, wollte Bohne schon aufgeben und sich das Appartment nicht mehr ansehen. Ich habe sie aber dann überzeugen können und zack - hatten wir ne Wohnung. So viel zum Thema weibliche Intuition...
Aber bis dann wirklich alles in trockenen Tüchern war... eine Zitterpartie. Am letzten Freitag haben wir die Wohnung besichtigt und sofort beschlossen, das wir sie nehmen. Leider hatte das Office schon zu, weswegen wir das Unterzeichnen des Mietvertrags auf den folgenden Montag verschieben mussten. An besagtem Montag also ins Office gegeangen, die Übernahme des Mietvertrages unterschrieben. Der Auszug der Vormieterin hat sich aber leider noch verschoben, da sie arbeiten musste und Umzüge nur in einem bestimmten Zeitfenster stattfinden können und dafür Aufzüge reserviert werden müssen... blablubb. Jedenfalls haben wir unser Ziel, bis zum Montag eine eigene Wohnung zu haben und einzuziehen glorreich verfehlt. Gut. Also die Übernachtungen im Hotel auf drei weitere verlängert und auf Donnerstag gehofft, an dem um 13 Uhr der Einzug stattfinden sollte. Am Dienstag sind wir dann noch mal ins Office gegangen, um den eigentlichen Mietvertrag zu unterschreiben. Dort wurde uns dann von Corina (einer Rumänin mit einer recht prominenten Zahnlücke im vorderen Unterkiefer, die uns weiss machen wollte, dass WIR mit Akzent sprächen) mitgeteilt, dass sich der Auszug der Vormieterin auf 18 Uhr verlegt hat und wir erst am Freitag einziehen können, da das Office um 18 Uhr schließt und wir noch Schlüssel und den ganzen Spaß brauchen. Gut, also haben wir das Hotel noch einmal um eine Nacht verlängert. Meine Laune war dementsprechend. Dann hatten wir mit der Vormieterin selber einfach ausgemacht, dass sie uns ihre Schlüssel gibt und wir doch am Donnerstag abend schon einziehen können. Was dann auch geschah. Das Ding war aber: wir hatten bis dahin noch keinen vom Vermieter unterzeichneten Mietvertrag. Es hätte also sein können, dass wir in die Wohnung gegangen wären, einige Möbel übernommen hätten und das man uns dann wieder vor die Tür gesetzt hätte da dem Vermieter, sage wir... mein Geburtsdatum nicht gepasst hat. Nach einer Nacht, die für mich keine war, sind wir dann ins Office gegangen und zum Glück war alles in Ordnung.
Ja, dann ging das große Putzen los. Wenn ich jedesmal, wenn ich mich geekelt habe, einen Eiterpickel bekommen hätte, wäre ich jetzt ganz gut bestückt damit. Im Ernst: für ne Frau als Vormieter war das schon ganz schön grenzwertig. Egal. Als alles in einem annehmbaren Zustand war, wurde dann auch eingekauft was das Zeug hält: Tassen, Teller, Töpfe, Pfannen, Gläser, Besteck, Geschirrtücher, Schüsseln, Waschmittel, Abflussreiniger, Putzzeug, Taschentücher, Lampen, Bettwäsche (warum haben die hier nur so beschissene Maße?), Kleiderbügel, Kerzen, Servietten, Klopapier, Lebensmittel und und und. Dabei ist es wirklich verwunderlich, dass man über die Farbgebung von 1$-Tassen in einen zehnminütigen Streit ausbrechen kann. Na ja. Die Stimmung ist eben gestresst und dementsprechend gereizt. Damit muss man klar kommen, was natürlich nicht immer einfach ist. Hinzu kommt noch, dass wir hier innerhalb von zwei Tagen wahnsinnig viel Geld rausgehauen haben. Das schmerzt, aber gut.
Wie dem auch sei. Ich bin wahnsinnig froh, endlich eine eigene Wohung zu haben und sich dort auch wohlzufühlen. Ein tolles Gefühl. Jetzt kann die Uni eigentlich beginnen...

p.s.: Fotos folgen!

Montag, 27. August 2007

Angekommen

Nachdem ich nun einige Tage nicht geschrieben habe, wird es mal wieder Zeit. Der Übersicht halber gibt es eine Art Tageszusammenfassung für die vergangene Woche – es ist ziemlich viel, aber ihr müsst ja auch nicht alles lesen. Sobald ich etwas mehr Zeit und endlich vernünftig funktionierendes Internet habe, lade ich auch Fotos hoch – für die ganz Lesefaulen. ;o)


Montag, 20.07.2007

Nachdem ich eine lange, ziemlich schlaflose Nacht hinter mir hatte ging es am Montag morgen von Frankfurt aus nach Montreal. Die Maschine der Air Canada war, sagen wir es mal vorsichtig, wohl etwas älteren Baujahres. Zum Beginn war das „Pling“-Signal, dass allen Passagieren signalisieren soll, dass es besser wäre, sich hinzusetzen und anzuschnallen, kaputt. Also gab es besagte „Plings“ in unregelmäßigen Abständen circa 20 Mal pro Minute, bis sich der Pilot dazu entschloss, die gesamte Anlage lahm zu legen und die Passagiere, wenn nötig, per Ansage zum Hinsetzen zu bewegen. Gute Idee, zumal mein linker Ohrhörer nicht funktionierte und sich so Fernsehton und „Pling“ auf seltsame Weise vermischten. Der Start war problemlos, es gab keine großen Turbulenzen und auch die Landung war relativ sanft. Also alles ziemlich unspektakulär (das Essen übrigens auch – sehr zu meinem Leidwesen); nur waren die acht Stunden unverhältnismäßig lang für mich.
In Montreal angekommen ging es durch die Passkontrolle (Wartezeit ca. 1 Stunde) und dann zur Immigration (Wartezeit erneute 60 Minuten, da irgendwie alle verdammten international students Montreals in spe sich dazu entschlossen, Montags zu fliegen). Resultat des Prozedur: ein bunter, unförmlich zusammengefalteter Zettel, der jetzt in meinem Reisepass weilt und von dem immer alle eine Kopie wollen. Japp.
Gegen 18 Uhr Ortszeit dann in der dritten Schlange des Tages angestanden und auf ein Taxi gewartet. Ayman, unser libanesischer Taxifahrer, hat uns (wir waren 4 Mitfahrer – alles Deutsche Studentinnen) auch gleich einen befreundeten Matratzenhersteller empfohlen, der uns seeehr günstig eine solche Schlafunterlage „beschaffen“ könne. Als Abschiedsgeschenk hat er uns dann auch noch kräftig übers Ohr gehauen, in dem er 25 $ von uns für die Strecke kassierte.
War mir dann auch egal, denn der Tag hat mich ganz schön mitgenommen, so dass ich mir noch was zu essen geordert habe und dann im Hotelzimmer angekommen regungs- und wehrlos ins Bett gefallen bin (es war ca. 20 Uhr Ortszeit).

Dienstag, 21.08.2007

Am Dienstag bin ich dementsprechend um 6 Uhr morgens aufgewacht und habe mich erst mal versucht zu orientieren. Und ich muss sagen, auch und gerade als Frau: mein Orientierungssinn ist gar nicht so übel. Dann mal zur Uni ins International Students Office spaziert und schon ein bisschen organisatorischen Kram geregelt, anschließend ein bisschen rumgefahren. Dann habe ich endlich auch ein Lebenszeichen von Philip und Susann empfangen. Die Telefonkarte von Philip ließ sich nicht aufladen, und so erreichten sie die Anrufe von mir nicht. Dann hat sich Susann aber eine Karte gekauft und so haben wir Deutschen doch noch zueinander gefunden. Die beiden wohnen übergangsweise bei Cathy (einer Freundin von Earney) und die Wohnung ist sehr niedlich mit einem Balkon und einer ganz guten Aussicht. ;o) Nach einem kurzen Besuch dort und ein paar Updates in Sachen To-Do-Liste ging es weiter in die Einkaufsmeile auf der Suche nach einem Adapterstecker für meine elektrischen Geräte. Einen solchen habe ich dann auch gefunden, leider total überteuert. Aber dafür ist er mit so ziemlich allen Steckersorten der Welt kompatibel und wenn ich demnächst die große Weltreise mache, habe ich immer den passenden Stecker parat. Man kann sich die Welt auch schön reden...
Der Eindruck von der Innenstadt war dann... naja... gigantisch. Nicht, dass ich dass nicht schon von New York kennen würde, aber es war alles so bunt und laut und mit Menschen überflutet, dass ich erst mal gar nicht selektieren konnte. Damit meine ich, dass ich die Art der Geschäfte einfach nicht wahrgenommen habe, was sicherlich auch an der Müdigkeit lag. Der Tag ging für mich deswegen auch wieder relativ früh zu Ende.

Mittwoch, 22.08.2007

Am Mittwoch haben wir dann die ersten Wohnungen angeschaut, die alle gar nicht so schlecht waren. Allerdings zu weit entfernt von der Metro, was im Winter nicht zu empfehlen ist.
So ging die Suche weiter. Außerdem habe ich noch das Orientierungstreffen für internationale Studenten mitgenommen, was nicht viel neues gebracht hat, aber trotzdem ganz nett war. Dennoch: der stilvolle Gebrauch von Powerpoint-Präsentationen scheint hier in Kanada noch nicht bekannt zu sein.
Egal... der Tag wurde überschattet von einigen Stimmungsschwankungen bezüglich der Wohnungssuche. Diese unterschwellige Ungewissheit kann einen schon ganz schön mitnehmen. Aber immerhin hat man sich schon an die Stadt gewöhnt, und weiß mittlerweile
sogar, wo Supermärkte und Drogerien zu finden sind – das ist schon eine Leistung, finde ich.

Donnerstag, 23.08.2007

Wohnungssuche, Wohnungssuche, Wohnungssuche... Leicht angepisst und unterschwellig aggressiv ist die Stimmung – ob sich jemals was passendes findet? Mittlerweile waren auch schon ziemliche Löcher dabei und komische Leute. Willkommen in der Phase des Fremdelns – ging ganz schön schnell bei mir, finde ich. Egal, die Suche ging weiter – auch wenn die Füße schmerzen und der Geldbeutel vom vielen Metro fahren deutlich an Gewicht verloren hat. Nebenbei noch ein bisschen was von der Stadt sehen und am Abend tot ins Bett fallen. Das wars.

Freitag, 24.08.2007

Wohnungssuche – und es nimmt kein Ende. Mittlerweile ist die Stimmung ziemlich angepisst und absolut aggressiv. Ich habe echt keine Lust mehr zu telefonieren und Besichtigungstermine zu vereinbaren, anschließend von einem Ende der Stadt in das andere Ende zu eilen, um dann festzustellen, das doch alles irgendwie nicht passend ist. Egal. Die einzigen, die die Stimmung etwas heben konnten, waren die „Killersquirrels“, die wir im Parc Lafontaine beobachten konnten. Die Viecher sind einfach zu krass. Naja, man versucht eben die positiven Dinge zu sehen und verbindet Besichtigungstermine mit kleinen Touren durch die verschiedenen Stadtteile Montreals. Heute war ich auch das erste Mal im Village, was zu meiner Überraschung richtig schnuckelig daherkam. Und dann war da noch eine weitere Wohnungsbesichtigung. Obwohl schon vorher der Drang, einfach wieder ins Hotel zu fahren zu groß war, haben wir uns die Wohnung angeschaut, und siehe da - eine wahre Perle in Downtown Montreal. Jetzt kann man nur noch hoffen, dass mit dem Mietvertrag alles glatt läuft. Relativ erleichtert ging es so mit der German Connection am Abend noch auf das Film Festival du Monde. Sehr geil. Projiziert wurde per Hochleistungsbeamer auf eine Open Air Leinwand und der Eintritt ist frei. Zu sehen gab es James Bond – The world is not enough. Okay, ist jetzt nicht der tollste Film, aber das Flair war einzigartig. Die Lichter der Stadt, ein ziemlich ordentlicher Sound und gechillte Leute – eine richtig gute Mischung!

Samstag, 25.08.2007

Heute war der Tag der großen Stadtwanderung für Susann, Phil, Bohne und mich – was taten mir die Füße weh... Wir waren auf der Île St. Hélène und im Village und sonst wo. Aber schön wars auf jeden Fall! Abends dann wieder Film Festival am Place des arts, diesmal Blow up – ich bin eingeschlafen...

Sonntag, 26.08.2007

Auch wieder ein aktiver Tag, aber nicht ganz so stressig. Wir sind auf den Mont Royal gelaufen und haben uns das Tam Tam angesehen. Ein total schräges Happening, bei dem sich einige Leute zusammenfinden und wie wild auf ihre wie auch immer gearteten Schlaginstrummente äh... schlagen. Das kann auch schon mal eine Gitarre sein... Alle flippen total aus, tanzen und rauchen (und ich meine keine Zigaretten...). Wir haben uns einfach auf die Wiese gesetzt, das Wetter genossen und gequatscht. Anschließend ging es dann zu einer Freundin von Cathy, Tanja. Ihre Wohnung liegt in Côte des Neiges und man hat von ihrem Balkon aus einen einzigartigen Blick auf den Sonnenuntergang. Bei Bier und Sangria (von Tanja selbst zubereitet und sehr lecker) klang der Abend dann aus. Sehr schöner Tag.

Montag, 27.08.2007

Finally. Nachdem Susann schon das Zimmer ihrer Wahl bekommen hat, haben auch wir einen Mietvertrag unterschrieben und ich will gar nicht sagen für welche Wohnung. Am Donnerstag können wir einziehen und dann gibt’s auch Bilder. Ich freu mich ja so. Toll ist, dass wir auch ein paar Möbel von der Vormieterin übernehmen können, was uns sehr viel Stress erspart. Dann gab es heute auch die ersten Geldprobleme, da die erste und die letzte Monatsmiete per money order gezahlt werden musste, wofür man Geld abheben muss. Zum Glück habe ich noch ein Konto bei der Deutschen Bank eröffnet, abheben mit Kreditkarte ging aus mir unerklärlichen Gründen nämlich nicht. Also wurden die letzten Dollar zusammengekratzt und schließlich hatten wir Glück und konnten die Summe Zahlen.
Abends ging es dann noch ins Kino. Leider folgten die Anderen meinem Wunsch, "The Yacoubean Building" anzusehen. Der Film war nicht nur an sich eine Katastrophe, auch die Vorführtechnik war der absolute Hammer. Man zahlt also 7$ um sich einen scheinbar interessanten Film anzusehen und was passiert? Man bekommt eine DVD eingeschmissen in miserabler Bildqualität. Der Ton, der am Anfang des Films gleich mal ganz vergessen wurde, war dann nach einem kompletten Neustart viel zu laut, und eine peinliche DVD-Wechselpause gab es auch noch. Manno. Ich wünsch mir mein Lamm zurück, da laufen Filme wenigstens noch auf 35 mm. Puh. Na ja, wenigstens kam ich endlich mal wieder zum bloggen...

Sonntag, 19. August 2007

Nur noch 24 Stunden

Und nur noch 3 Stunden in Gosheim bei Bohnes Familie. Um 16 Uhr werden wir uns auf den Weg nach Frankfurt machen, im Hotel übernachten und dann morgen um 13:45 gen Montreal fliegen. Die Tage hier haben mich etwas zur Ruhe kommen lassen und ich bin jetzt nicht mehr ganz so gestresst wie vorher in Erlangen. Man wird eben ein bisschen betüddelt und umsorgt, und das tut gerade richtig gut. Gestern haben wir gegrillt und es war ein schöner und lustiger Abend. Viel mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen. Den Rest der Zeit werde ich jetzt mit Koffer zusammenpacken und "Montrealer Stadtplan-Lektüre" verbringen. Ich habe keine Ahnung, wann ich wieder an einen Internetanschluss komme, wahrscheinlich kann ich ab Dienstag wieder etwas schreiben aber das kann ich nicht genau sagen. Macht euch also keine Sorgen, wenn ihr länger nichts von mir hört. Wenn am Montag im Fernsehen kein Bericht über eine abgestürzte Air Canada Maschine kommt, dann bin ich wohl noch am Leben und gut gelaunt in Montreal unterwegs. ;o)

Donnerstag, 16. August 2007

Der letzte Tag in Erlangen

Heute ist es also soweit, der letzte Tag hier in der Großstadt Erlangen. Was soll ich sagen? Es ist alles so seltsam. Ich meine, ich will ja nicht rumjammern... Schließlich kann ich nach Montreal gehen und werde dort eine Großstadt erleben, die den Namen auch wirklich verdient - aber gefühlsmäßig herrscht bei mir eher ziemlich bewölkte Stimmung. Ich werde ja auch nur sehr ungern sentimental, aber der Abschied von den Freunden, das letzte Mal arbeiten, die letzten Besorgungen machen... am liebsten würde ich mich gerade in die Ecke setzen und warten, bis alles vorbei ist. Was natürlich Quatsch ist, denn das Warten ist ja gerade das Unangenehme.
Ich bin mir inzwischen auch gar nicht mehr so sicher, ob der Zeitpunkt so ideal ist. Ich meine, schließlich verpasse ich all die Willkommensgeschenke zur Eröffnung der Erlanger Arcaden. Unterschätzt bitte die Tragik, die diese Tatsache für mich hat, nicht! Okay, jetzt jammere ich doch. Aber vielleicht ist das auch normal.
Wahrscheinlich liegt aber das wirklich Erschütternde für mich einfach auch darin, dass ich immer dachte, es sei für mich viel einfacher fortzugehen. So ist es aber gar nicht. Ja, das klingt naiv... Aber was soll ich machen... Gedankenchaos im Kopf, Packperfektion im Koffer. Ich bin verwirrt und es wird nicht besser. Wenigstens ist mein Visum da und eine annehmbare Haarfarbe habe ich in zwischen auch wieder. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen...

Samstag, 28. Juli 2007

Mir geht der Arsch auf Grundeis

... und das meine ich auch durchaus so. Während sich die ersten meiner Freunde schon in andere Länder verabschieden, sitze ich noch hier in Erlangen und kann mir in aller Ruhe Gedanken über allerlei potentiell - sagen wir mal... schieflaufenkönnende Dinge machen. Wo bleibt eigentlich mein Visum, was nehme ich mit, wo stelle ich meine anderen Sachen unter, wann kommt endlich mein Auslandsbafög und wie zum Teufel färbe ich meine Haare so, dass die mich an der Immigration nicht gleich wieder abweisen? Ja ja, wer noch keine Probleme hat, der denkt sich welche herbei - das lenkt wenigstens ab, vom Warten auf den großen Tag. Was dann alles wirklich schief läuft und was ich zu erdenken nicht in der Lage oder in Besitz der nötigen Kreativität war - ich bin gespannt.
Ich möchte ja jetzt auch gar nicht damit anfangen, wie schwer es allein schon war mich für diesen Anbieter eines Blogs zu entscheiden. Da gibt es ja die dollsten Dinger, alle mit unterschiedlichen Funktionen und Layouts. Am Ende ist es nun doch blogger.com geworden, da dieser Anbieter schlicht und ergreifend einfach keine Werbung anzeigt. Wer will schon direkt mit Hornhautentfernungscreme oder einer Gott-kennenlern-Seite in Verbindung gebracht werden?
Na ja, und das Layout ist dann auch eher puristisch, da dachte ich auch an das kommende ARENA-Festival. Obwohl ich ja ehrlich zugeben muss, dass ich schon so für zehn Minuten mit dem pink experimentiert hab. Wie ihr seht, hat die Farbenlosigkeit gesiegt und mittlerweile finde ich es schon ziemlich unheimlich, dass ihr hier so meine Gedanken quasi aus erster (haha) Hand mitbekommt. Ihr könnt lesen, was ich denke. Da zeigt sich mal wieder: ich bin für das Schreiben nicht geeignet. Deswegen belege ich in Montreal (um mal zum eigentlichen Kernthema zurückzukommen [schreibt man das eigentlich so? Ich werde es mir nie merken können...]) ja auch Journalismus-Kurse. (Ja, langsam bekommt ihr mit, wies in meinem Kopf abgeht und ihr bemerkt auch, dass es ziemlich schwer sein kann, mir zu folgen...) Blöd, gell? Also die Kurswahl meine ich. Wobei, eigentlich auch nicht wirklich. Ich will ja schließlich was lernen. Aber mein Arsch friert trotzdem gerade ziemlich.