Nachdem ich nun einige Tage nicht geschrieben habe, wird es mal wieder Zeit. Der Übersicht halber gibt es eine Art Tageszusammenfassung für die vergangene Woche – es ist ziemlich viel, aber ihr müsst ja auch nicht alles lesen. Sobald ich etwas mehr Zeit und endlich vernünftig funktionierendes Internet habe, lade ich auch Fotos hoch – für die ganz Lesefaulen. ;o)
Nachdem ich eine lange, ziemlich schlaflose Nacht hinter mir hatte ging es am Montag morgen von Frankfurt aus nach Montreal. Die Maschine der Air Canada war, sagen wir es mal vorsichtig, wohl etwas älteren Baujahres. Zum Beginn war das „Pling“-Signal, dass allen Passagieren signalisieren soll, dass es besser wäre, sich hinzusetzen und anzuschnallen, kaputt. Also gab es besagte „Plings“ in unregelmäßigen Abständen circa 20 Mal pro Minute, bis sich der Pilot dazu entschloss, die gesamte Anlage lahm zu legen und die Passagiere, wenn nötig, per Ansage zum Hinsetzen zu bewegen. Gute Idee, zumal mein linker Ohrhörer nicht funktionierte und sich so Fernsehton und „Pling“ auf seltsame Weise vermischten. Der Start war problemlos, es gab keine großen Turbulenzen und auch die Landung war relativ sanft. Also alles ziemlich unspektakulär (das Essen übrigens auch – sehr zu meinem Leidwesen); nur waren die acht Stunden unverhältnismäßig lang für mich.
In Montreal angekommen ging es durch die Passkontrolle (Wartezeit ca. 1 Stunde) und dann zur Immigration (Wartezeit erneute 60 Minuten, da irgendwie alle verdammten international students Montreals in spe sich dazu entschlossen, Montags zu fliegen). Resultat des Prozedur: ein bunter, unförmlich zusammengefalteter Zettel, der jetzt in meinem Reisepass weilt und von dem immer alle eine Kopie wollen. Japp.
Gegen 18 Uhr Ortszeit dann in der dritten Schlange des Tages angestanden und auf ein Taxi gewartet. Ayman, unser libanesischer Taxifahrer, hat uns (wir waren 4 Mitfahrer – alles Deutsche Studentinnen) auch gleich einen befreundeten Matratzenhersteller empfohlen, der uns seeehr günstig eine solche Schlafunterlage „beschaffen“ könne. Als Abschiedsgeschenk hat er uns dann auch noch kräftig übers Ohr gehauen, in dem er 25 $ von uns für die Strecke kassierte.
War mir dann auch egal, denn der Tag hat mich ganz schön mitgenommen, so dass ich mir noch was zu essen geordert habe und dann im Hotelzimmer angekommen regungs- und wehrlos ins Bett gefallen bin (es war ca. 20 Uhr Ortszeit).
Am Dienstag bin ich dementsprechend um 6 Uhr morgens aufgewacht und habe mich erst mal versucht zu orientieren. Und ich muss sagen, auch und gerade als Frau: mein Orientierungssinn ist gar nicht so übel. Dann mal zur Uni ins International Students Office spaziert und schon ein bisschen organisatorischen Kram geregelt, anschließend ein bisschen rumgefahren. Dann habe ich endlich auch ein Lebenszeichen von Philip und Susann empfangen. Die Telefonkarte von Philip ließ sich nicht aufladen, und so erreichten sie die Anrufe von mir nicht. Dann hat sich Susann aber eine Karte gekauft und so haben wir Deutschen doch noch zueinander gefunden. Die beiden wohnen übergangsweise bei Cathy (einer Freundin von Earney) und die Wohnung ist sehr niedlich mit einem Balkon und einer ganz guten Aussicht. ;o) Nach einem kurzen Besuch dort und ein paar Updates in Sachen To-Do-Liste ging es weiter in die Einkaufsmeile auf der Suche nach einem Adapterstecker für meine elektrischen Geräte. Einen solchen habe ich dann auch gefunden, leider total überteuert. Aber dafür ist er mit so ziemlich allen Steckersorten der Welt kompatibel und wenn ich demnächst die große Weltreise mache, habe ich immer den passenden Stecker parat. Man kann sich die Welt auch schön reden...
Der Eindruck von der Innenstadt war dann... naja... gigantisch. Nicht, dass ich dass nicht schon von New York kennen würde, aber es war alles so bunt und laut und mit Menschen überflutet, dass ich erst mal gar nicht selektieren konnte. Damit meine ich, dass ich die Art der Geschäfte einfach nicht wahrgenommen habe, was sicherlich auch an der Müdigkeit lag. Der Tag ging für mich deswegen auch wieder relativ früh zu Ende.
Mittwoch, 22.08.2007
Am Mittwoch haben wir dann die ersten Wohnungen angeschaut, die alle gar nicht so schlecht waren. Allerdings zu weit entfernt von der Metro, was im Winter nicht zu empfehlen ist.
So ging die Suche weiter. Außerdem habe ich noch das Orientierungstreffen für internationale Studenten mitgenommen, was nicht viel neues gebracht hat, aber trotzdem ganz nett war. Dennoch: der stilvolle Gebrauch von Powerpoint-Präsentationen scheint hier in Kanada noch nicht bekannt zu sein.
Egal... der Tag wurde überschattet von einigen Stimmungsschwankungen bezüglich der Wohnungssuche. Diese unterschwellige Ungewissheit kann einen schon ganz schön mitnehmen. Aber immerhin hat man sich schon an die Stadt gewöhnt, und weiß mittlerweile
sogar, wo Supermärkte und Drogerien zu finden sind – das ist schon eine Leistung, finde ich.
Wohnungssuche, Wohnungssuche, Wohnungssuche... Leicht angepisst und unterschwellig aggressiv ist die Stimmung – ob sich jemals was passendes findet? Mittlerweile waren auch schon ziemliche Löcher dabei und komische Leute. Willkommen in der Phase des Fremdelns – ging ganz schön schnell bei mir, finde ich. Egal, die Suche ging weiter – auch wenn die Füße schmerzen und der Geldbeutel vom vielen Metro fahren deutlich an Gewicht verloren hat. Nebenbei noch ein bisschen was von der Stadt sehen und am Abend tot ins Bett fallen. Das wars.
Wohnungssuche – und es nimmt kein Ende. Mittlerweile ist die Stimmung ziemlich angepisst und absolut aggressiv. Ich habe echt keine Lust mehr zu telefonieren und Besichtigungstermine zu vereinbaren, anschließend von einem Ende der Stadt in das andere Ende zu eilen, um dann festzustellen, das doch alles irgendwie nicht passend ist. Egal. Die einzigen, die die Stimmung etwas heben konnten, waren die „Killersquirrels“, die wir im Parc Lafontaine beobachten konnten. Die Viecher sind einfach zu krass. Naja, man versucht eben die positiven Dinge zu sehen und verbindet Besichtigungstermine mit kleinen Touren durch die verschiedenen Stadtteile Montreals. Heute war ich auch das erste Mal im Village, was zu meiner Überraschung richtig schnuckelig daherkam. Und dann war da noch eine weitere Wohnungsbesichtigung. Obwohl schon vorher der Drang, einfach wieder ins Hotel zu fahren zu groß war, haben wir uns die Wohnung angeschaut, und siehe da - eine wahre Perle in Downtown Montreal. Jetzt kann man nur noch hoffen, dass mit dem Mietvertrag alles glatt läuft. Relativ erleichtert ging es so mit der German Connection am Abend noch auf das Film Festival du Monde. Sehr geil. Projiziert wurde per Hochleistungsbeamer auf eine Open Air Leinwand und der Eintritt ist frei. Zu sehen gab es James Bond – The world is not enough. Okay, ist jetzt nicht der tollste Film, aber das Flair war einzigartig. Die Lichter der Stadt, ein ziemlich ordentlicher Sound und gechillte Leute – eine richtig gute Mischung!
Heute war der Tag der großen Stadtwanderung für Susann, Phil, Bohne und mich – was taten mir die Füße weh... Wir waren auf der Île St. Hélène und im Village und sonst wo. Aber schön wars auf jeden Fall! Abends dann wieder Film Festival am Place des arts, diesmal Blow up – ich bin eingeschlafen...
Auch wieder ein aktiver Tag, aber nicht ganz so stressig. Wir sind auf den Mont Royal gelaufen und haben uns das Tam Tam angesehen. Ein total schräges Happening, bei dem sich einige Leute zusammenfinden und wie wild auf ihre wie auch immer gearteten Schlaginstrummente äh... schlagen. Das kann auch schon mal eine Gitarre sein... Alle flippen total aus, tanzen und rauchen (und ich meine keine Zigaretten...). Wir haben uns einfach auf die Wiese gesetzt, das Wetter genossen und gequatscht. Anschließend ging es dann zu einer Freundin von Cathy, Tanja. Ihre Wohnung liegt in Côte des Neiges und man hat von ihrem Balkon aus einen einzigartigen Blick auf den Sonnenuntergang. Bei Bier und Sangria (von Tanja selbst zubereitet und sehr lecker) klang der Abend dann aus. Sehr schöner Tag.
Finally. Nachdem Susann schon das Zimmer ihrer Wahl bekommen hat, haben auch wir einen Mietvertrag unterschrieben und ich will gar nicht sagen für welche Wohnung. Am Donnerstag können wir einziehen und dann gibt’s auch Bilder. Ich freu mich ja so. Toll ist, dass wir auch ein paar Möbel von der Vormieterin übernehmen können, was uns sehr viel Stress erspart. Dann gab es heute auch die ersten Geldprobleme, da die erste und die letzte Monatsmiete per money order gezahlt werden musste, wofür man Geld abheben muss. Zum Glück habe ich noch ein Konto bei der Deutschen Bank eröffnet, abheben mit Kreditkarte ging aus mir unerklärlichen Gründen nämlich nicht. Also wurden die letzten Dollar zusammengekratzt und schließlich hatten wir Glück und konnten die Summe Zahlen.
Abends ging es dann noch ins Kino. Leider folgten die Anderen meinem Wunsch, "The Yacoubean Building" anzusehen. Der Film war nicht nur an sich eine Katastrophe, auch die Vorführtechnik war der absolute Hammer. Man zahlt also 7$ um sich einen scheinbar interessanten Film anzusehen und was passiert? Man bekommt eine DVD eingeschmissen in miserabler Bildqualität. Der Ton, der am Anfang des Films gleich mal ganz vergessen wurde, war dann nach einem kompletten Neustart viel zu laut, und eine peinliche DVD-Wechselpause gab es auch noch. Manno. Ich wünsch mir mein Lamm zurück, da laufen Filme wenigstens noch auf 35 mm. Puh. Na ja, wenigstens kam ich endlich mal wieder zum bloggen...
2 Kommentare:
Wow Romy, ich bin begeistert. Das war wirklich informativ und vor allem konnte man sich so gut in Dich einfühlen als Leser. Diese Stimmungsschwankungen von "oh, was kommt da auf mich zu" über "ja, mal schauen, wird schon werden" dann zu "oh mann, warum hab ich das nur gemacht, ich will wieder nach Hause" bis schließlich zu "war es vielleicht doch eine gute Idee nach Montreal zu gehen"...freue mich auf weitere Berichte dieser Art und sende ganz liebe Grüße an Dich und die drei Anderen. Janina.
Ähäm...Sinnflut? Is' mir grad nur so eingefallen, weiß auch nicht, wie ich das jetzt irgendwie so ..ähm... ;)
Ich freu mich auf Bilder und drück euch alle herzlich!
Chrissi
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