Freitag, 18. Januar 2008

Puh... geschafft.

Ich habe es endlich mal auf die Reihe bekommen, mich für ein paar Praktika zu bewerben. Aber fragt nicht nach der Odyssee, die ich auf mich nehmen musste, bis es endlich soweit war. Gerne würde ich an dieser Stelle eines der schröcklichen Passfotos reinstellen, die ich von mir machen musste, aber leider, leider habe ich keinen Scanner. A propos Fotos, ja - da glaubt man, in Montreal wäre es kein Problem Passbilder von sich machen zu lassen. Denkste. Ich, ab in den "LA PHOTO SHOP", versucht, mit Händen und Füßen der nur gebrochen Englisch sprechenden Mitarbeiterin zu erklären was ich eigentlich will,


kleiner Auszug aus der Unterhaltung, weils so lustig war:

ICH: "I need three small photos for an internship application."

SIE: "Ah... photos for immigration! No problem, come here."

ICH: "No, no, not for immigration, for an a-p-p-l-i-cation!"

SIE: "I don't know what you want..."


und mich am Ende enttäuscht in den bösen und eigentlich für eine Bewerbung absolutes No-No-seienden Fotoautomaten gesetzt. Was war schief gegangen? Spulen wir zurück zur Szene im Fotogeschäft. Nachdem ich mich endlich verständlich machen konnte, machte die Mitarbeiterin des "LA PHOTO SHOP"s ein Foto von mir. An dieser Stelle mal wieder ein Auszug aus der darauffolgenden Unterhaltung:


SIE: "I go print your pictures, you can take them with you in four minutes."

ICH [in Gedanken]: "Aha, DAS geht aber schnell... Muss wohl ein Wunder der neuen digitalen Technik sein..."

SIE: [druckt die Fotos aus, gibt sie mir.]

ICH: "Oh, I just saw there is a strange blue stripe at the bottom of two pictures, right across my neck..."

SIE: "Oh, I go print another two." [und druckt noch mal. Danach schneidet sie die ersten beiden Bilder mit einer handelsüblichen Papierschneidemaschine.]

ICH [wundere mich schon, wie sie es schafft gerade zu schneiden, ohne die Fotos an der oberen Kante der Papierschneidemaschine auszurichten. Ich schaue mir die zwei ausgeschnittenen Bilder an. Verwirrung.]

ICH: "Erm... excuse me, Ma'am. Is the quality of the printed pictures always that poor? My black Shirt is not really black. And in general, the picture is not really precise. My skin looks very orange, too. Maybe you can change some settings at the printer..."

SIE: "That is the normal quality for pictures here. Everybody prints them now digitally. Government never complained."

ICH: "I'm sorry, I did'nt mean to insult you. It's just... It's not fot the government. It's for an application which is very important for me and I want everything to be perfect..."

SIE [unterbricht mich]: "Since twenty years we have this business and nobody ever complained. You should'nt take everything too serious."

ICH [ traue mich kaum es zu sagen, mache es aber doch]: "Well, the pictures are not cut straight. The margin looks slope..."

SIE: [will gerade zum Schneiden der anderen Fotos ansetzen]

ICH: "Oh, you know what? I cut them myself. It's okay, I take them as they are..."

SIE: "Do you have a cutter to do it?"

ICH: "No, but that's okay" [ in Gedanken: "Mit einer handelsüblichen Papierschere mache ich das immer noch besser als du mit einer Papierschneidemaschine."]

SIE: "We leave the pictures on the memory stick for three weeks. If, in that time, you need more copies, it's half price then."

ICH [in Gedanken]: "Na, gut zu wissen."


Noch Fragen? Ich wedele also enttäuscht ab. Aber ich gebe nicht so schnell auf. Ich gehe in ein anderes Fotogeschäft. Ich frage den, übrigens auch nur gebrochen Englisch sprechenden, Mitrabeiter (seht ihr die Parallele schon?) nach dem Preis für Bewerbungsfotos (auch er wusste, kaum verwunderlich, nicht was ich wollte). Ich sage ihm die von mir bevorzugten Maße für das Foto und er meint, das kostet 38,90 $ inkl. Tax für vier Fotos. ICH: "Aha, das ist aber teuer. Wie ist denn so die Qualität der Bilder?" Er zeigt mir ein paar Besipiele. ICH daraufhin: "Danke, aber das muss ich mir noch überlegen." Tja, und so stehe ich dann vor dem Fotoautomaten, mit leicht überbelichteten Bildern in der Hand und den Tränen nahe... Als Zwängler hat man es hier echt nicht leicht. Aber gut, diese Bilder habe ich dann also für die Bewerbung genommen. Ich also ab zu Post, wo ich natürlich auch wieder Zoll-Zettelchen ausfüllen musste, da zwei der Briefe zu dick waren um noch als "Brief" als solches durchzugehen und deswegen als "Päckchen" deklariert wurden, für welche man eben eine Custom-Form ausfüllen muss. Macht ja auch Sinn. Das, meine Lieben, ist die unergründliche Logik des kanadischen Postsystems... Auf einem solchen Zoll-Zettel muss man dann aufführen, was man verschickt und wieviel es gekostet hat. Was schreibt man also bei einer Bewerbung? Nun ja, eine Plasteklemmmappe (dadurch, das man natürlich in entweder Englisch oder Französisch schreiben muss, blieb mir dankenswerter Weise das peinliche dreifach-m bei den original-Zetteln erspart) für 3,75 $, Bewerbungsschreiben mit Druck- und Kopierkosten von ca. 1 $ und ein extra Briefumschlag für ca. 2 $. So, und jetzt rechnet mal, wieviel der Inhalt der drei Briefe wert war. Sagenhafte 22,20 $ musste ich für das Porto von drei Bewerbungsbriefen nach Deutschland bei der kanadischen Post hinlegen. Wenn da jetzt nicht zumindest eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch rausspringt, dann werde ich weinen. Bitterlich.
So, und was sonst so in der letzten Zeit so passiert? Einiges. Ein Teil unserer Studenten-Familie war zu Besuch. Fredie und Wolfgang nämlich. Das war richtig schön. Die beiden sind tapfer durch Montreal gestapft, haben innerhalb von drei Tagen hier alle Sehenswürdigkeiten mitgenommen und sind sogar noch für ein paar Tage nach New York gefahren. Wo die die Energie hergenommen haben - fragt mich nicht.

Ach ja, ich vermisse die Abende, an denen wir "Was bin ich?" gespielt haben. Das Spiel an sich war nicht so der Hammer - aber am Ende, wenn alle versuchten, die heimtückischen Klebezettelchen von ihrer Stirn zu entfernen... das war ein echter Spaß! (Tipp für euer nächstes "Was bin ich?"-Spiel: selbstklebende Briefetiketten. Und bitte keine biblischen Figuren - oder TIERE... -, die es zu erraten gilt...) Und erst der Spieleabend mit dem tollen kanadischen Trivial Pursuit "Greatest Hits" - wenn man da mal eine Frage beantworten konnte, war das wirklich der Hit. (Ich muss wirklich mal auschecken, was ich dafür bei ebay noch bekomme...) Von der Trivial Pursuit-Pleite mal abgesehen, es war schön die beiden wiederzusehen. Den Anblick der Beiden nach ihrer ersten Nacht auf dem von uns bereitgestellten Luftbett werde ich nie vergessen. Ich versuche mich mal an einer Beschreibung: Fredie und Wolfgang liegen ziemlich mittig aneinandergepresst und berühren mit ihrem Rücken den Fußboden, da das Bett über Nacht erheblich an Luft verloren hat. Das Spannbettlaken, welches wir ein paar Stunden vorher, aus panischer Angst vor dem Ausbruch einer Latexallergie, noch gekauft haben, hat sich vom Bettrand losgelöst und umrahmt nun formschön die Köpfe der Beiden. Fehlte eigentlich nur noch der Heiligenschein.

Die Lösung des Luftproblems war schnell gefunden: das Ventil war nicht richtig verschlossen wurden und so musste der gute, alte Fön (ich wehre mich hiermit ausdrücklich gegen die neue Rechtschreibung) wieder herhalten und dem Bett die dringend benötigte Luft zuführen. Die nächsten Tage schliefen die Beiden tief und fest, ohne weitere Zwischenfälle. Also lasst euch nicht erzählen, wir hätten sie gequält. (Wobei das, zugegebenermaßen, eine ziemlich spannende Montreal-Story geben würde...) Naja, vielleicht haben wir sie auch gequält - aber nur den ersten Abend. Wir haben sie gezungen, bis 22 Uhr wach zu bleiben. Das aber auch nur, um das drohende Jetlag zu weit wie möglich zu minimieren. Was, denke ich, auch gut geklappt hat. Okay, eigentlich haben wir sie auch schon am ersten Tag gequält, als wir die beiden (sich im narkotischen Zustand auf Grund akuten Schlafmangels befindend) in die Underground City geschleppt haben. Aber bitte - erleben, was es heißt, total übermüdet von den bunten Lichtern und Menschenansammlungen in Montreals Untergrund förmlich erschlagen zu werden - da muss jeder mal durch.


Geshoppt wie die Weltmeister haben die Beiden natürlich auch. Ihr (und mein) Lieblingsladen hier: Simons. Im Grunde dem guten, alten H&M ähnlich, nur manchmal noch billiger und auf jeden Fall raffinierter im Angebot. Frei nach dem Motto "Im Seimons könnt'sch misch dohd koofn" wurde sogar noch am letzten Tag, mit dem letzten Geld die von Fredie zu tiefst ersehnte Pepitta-Jacke gekauft. Wolfgang gönnte sich ein paar Stunden vor der Abreise noch ein paar stylische Chucks, die diesmal hoffentlich auch passen. Natürlich haben wir die Beiden auch in unsere kulinarischen Gepflogenheiten hier eingeführt: Poutine, Burger, Ben&Jerry's Eis, Domino's Pizza, die wohl schwersten Torten der Welt, Spinatdip, mit Honig und Ahornsirup verfeinerter Schinken, Sushi - ich hör jetzt mal auf, denn durch diese Nahrungsmittel-Reihenfolge wird mir schon beim Schreiben ganz schlecht. Wir hatten auf jeden Fall eine Menge Spaß zusammen. Zum Abschied haben die beiden uns noch einen Hut/ eine Mütze geschenkt, in ihren trend-Nichtfarben schwarz und weiß. Was mich jetzt natürlich in die unerträglich Bredoullie bringt, mir passende Accessoires zulegen zu müssen - welch Qual!

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

na, da hoffen wir doch, dass die beiden nicht zu viel gekauft haben und am zoll die waren vorbei schleusen konnten. :-)