Welchen anderen Eindruck soll man denn auch bekommen, wenn der "Mid-Term Break" hier "leicht" euphemistisch "Reading-Week" genannt wird. Wer bitte hat sich denn diesen Mist an der Concordia ausgedacht? Nun ja, nächste Woche gibt es also keine Uni, denn es ist ja "Reading Week" und ich frage mich allen Ernstes, ob ich nicht tun soll, was der Name der Woche mir befiehlt - so als guter, gefolgsamer Student eben. Man kann ja auch durchaus das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden, und sich mit dem Buch seiner Wahl in ein gemütliches Irish Pub setzen, in das McKibbin's zum Beispiel. Das McKibbin's ist sehr beliebt bei Studenten aller Art: zentrale Lage, an manchen Tagen gibt es Livemusik, dazu kann man dann eines der vielen hausgebrauten Biere trinken, den ein oder anderen Snack essen und sich an den heimeligen, antiken Werbespruchtafeln erfreuen, auf denen dann solche grundlegenden Weisheiten stehen wie: "Beer is so much more than breakfast" - wie wahr. An diesen Spruchtafeln allerdings stört sich nun seit dem 6. Februar das Office québécois de la langue française, welches sich, nach einer Beschwerde eines beleidigten frankophonen Fundamentalisten mit zu viel Freizeit ("a customer has complained about not being served in French and that the English signs on the walls are an affront to Quebec's language laws"), dazu veranlasst sah, die Besitzer des Pubs dazu aufzurufen, sämtliche englische Spruchtafeln zu entfernen und desweiteren festellte, dass unter den Bediensteten des Pubs genrell zu viel englisch gesprochen werde. Denn: man ist ja in Québec, und hat sich an die hier
herrschende Sprachpolitik (Französisch als Hauptsprache, und wenn englisch, dann doch bitte in kleinerer Schriftgröße, und dem Französischen untergeordnet, oder im O-Ton: " The law requires the French language to be predominant in public signs and commercial advertising; if another language is used at the same time, French must be given overall priority and the visual impact of the French text has to be much more important.") zu halten. Ja, wenn man keine anderen Sorgen hat. Seit Tagen geht hier nun also ein regelrechter Aufschrei durch die (anglophone UND frankophone) Tagespresse [The Gazette 14. Februar / The Gazette 15. Februar / The Gazette 16. Februar / La Presse 16. Februar]. Die Pub-Besitzer haben sich inzwischen nicht von der 1500$ Strafe, die das Office québécois de la langue française ihnen bei Nichtentfernung der Schilder innerhalb von 30 Tagen angedroht hat, einschüchtern lassen und gaben zu erkennen, dass sie die Tafeln nicht abhängen werden, es handele sich ja schließlich um ein traditionelles Irish Pub, dass schon seit 10 Jahren existiert, und sowieso dienen die Tafeln des Anstoßes ja nur der Dekoration, denn die dort beworbenen Produkte (u.a. Guiness Dublin 1759 Ireland Trademark, Palethorpes Pork Pies, St. James Gate Dublin) sind ja auch seit über einem Jahrhundert schon gar nicht mehr erhältlich - macht die Argumentation der Besitzer ja durchaus nachvollziehbar. Außerdem, so die Besitzer weiter: "Nowhere does the language legislation say the interior decor or general ambience of a place has to be in French.". Und es ist ja auch nicht so, dass in das McKibbin's nur anglophone Menschen gehen. Na-hein, man stelle sich vor, sogar frankophone Menschen finden das McKibbin's urgemütlich und störten sich bisher überhaupt nicht an den englischen Spruchtafeln. «Le Québécois francophone moyen trouverait la situation ridicule», sagt der Anwalt der Besitzer, Brent D. Tyler, der nun die juristischen Möglichkeiten gemeinsam mit den Besitzern erörtert. Und sogar die Concordia University mischt sich ein: "Michael Kenneally, head of Concordia's Irish studies program, said the signs are "cultural artifacts that speak to Irish history"." Das Office québécois de la langue française verteidigt sich inzwischen mit einem müden Hinweis auf die Tatsache, dass man ja nur auf eine Beschwerde reagiere. Aha. Gérald Paquette, ein Mitarbeiter des von mir immer wieder gern zitierten Office québécois de la langue française, weiter: "First, the staff didn't provide service to the customer in French. Second, the menu outside is in English. [...] The signs were mentioned, but we recognize there might be exceptions, and that perhaps, under some circumstances, such signs might be allowed.". Die Besitzer des Pubs haben inzwischen eine Website gestartet, auf welcher man ab Montag über den Irrsinn dieser Aktion abstimmen kann. Jawoll. An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich beim Office québécois de la langue française für diesen aufgebauschten Disput bedanken, denn sie machen mir die Wahl meiner Bücher für die "Reading Week" um einiges leichter. Ich werde mich, nachdem ich auf deren Website am Montag abgestimmt habe, dann also in das McKibbin's setzen und dort in gemütlichen Ambiente aus Protest erst Samuel Beckett, dann James Joyce und danach lauthals irische Gedichte rezitieren.
Zum Wohl!
Sonntag, 17. Februar 2008
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1 Kommentar:
hahaha, geile geschichte, musste voll lachen!
obwohl ich zu wissen glaube, woher das kommt: angst, die englische sprache könne irgendwann die frz ersetzen (québec ist ja eigentlich nicht soo gross und es sprechen dort wahrscheinlich auch viele leute englisch) ABER was für ein unsinn, echt! sogar in frankreich herrscht in den pubs die englische sprache, gehört ja zur ambiente dazu, ohne das wäre es doch irgendwie komisch, zumal die meisten pub-besitzer selber aus england oder irland kommen...
naja, so viel dazu, bei uns gibt es ja die académie française, die sich immer wieder aufregt :)
viele grüsse
laurence
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